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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 398

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Einige Eindrücke von Jüdisch-Palästina
Date
1919-01-01
Page
398 (sequence 5)
Language
German
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398 Alfred E. Zimmern: schließlich bis an den Rand der Wüste ausdehnen wird, d. h. das neue Palästina wird in den verschiedenen, von mir erwähnten Hinsichten ein modernes Palästina sein, ein Palästina, sehr verschieden von dem Palästina Davids oder dem der Makkabäer oder dem, das die Juden nach dem Fall Jerusalems verließen. Ich komme zu der zweiten Seite des Problems. Das jüdische Volk ist niefit mehr dasselbe, das es in den Tagen der Zerstörung Jerusalems war. In der jüdischen Gemeinschaft hat sich eine nicht unbedeutende Mischung mit neuem Blut vollzogen. Die Einzelheiten mögen bestritten werden, aber man muß zugeben, daß zu verschiedenen Zeiten, besonders in der römischen Periode und in dem frühen Mittelalter viel neues Blut sich mit dem jüdischen vermischt hat. Dann hat sich aus der Erfahrung der Diaspora eine Wandlung des Ausblicks und der Überlieferung vollzogen. Ich bin jüdischer Nationalist mit aus dem Grund, weil ich daran glaube, daß nationale Charaktereigenschaften erworben und übertragen werden können. Ich will damit sagen, daß eine selbstbewußte nationale Gruppe eine Tradition schaffen kann, die ihren Nachkommen sozusagen psychologisch eingeimpft werden kann. Ich weiß nicht, wie das geschieht, aber es geschieht. Es ist für mich kein Zweifel, was auch die Biologen sagen mögen: das, was wir die jüdischen Eigentümlichkeiten der jüdischen Geistigkeit nennen — die talmudische Denkweise, der messianische Ausblick, die Fähigkeit, jüdischen Humor zu würdigen — diese Dinge sind ererbt. Wir rinden sie in unserer eigenen Natur. Diese jüdische Geistigkeit ist in hohem Maß verantwortlich für unsern Zionismus. Es gibt so etwas, wie eine psychologische Vererbung erworbener Eigentümlichkeiten. Nun bitte ich Sie, zu bemerken, daß, wenn eine Gemeinschaft Selbstbewußtsein hat, solch eine eingeimpfte nationale Tradition sehr rasch erworben und entwickelt werden kann. Sie können das in den britischen Gebieten beobachten. Es gibt eine australische Geistigkeit, eine Geistigkeit von Neuseeland, einen australischen geistigen Nationalismus — ich meine das nicht politisch — und einen Nationalismus von Neuseeland. Und diese sind von englischem Nationalismus sehr verschieden. Solch ein Nationalismus hat sich entwickelt in dem, was ich die jüdischen Dominions nennen möchte. Wir wollen uns jetzt ein jüdisches Heimatland sichern, aber ungleich den Briten hatten wir unsere Dominions, ehe wir unser Heimatland hatten. Wir hatten unser Australien und Kanada, ehe wir unser England hatten. Die verschiedenen jüdischen Gemeinschaften der Diaspora haben auf eigene Rechnung nationale, oder vielleicht sollte ich sagen: subnationale Eigentümlichkeiten entwickelt. Ich möchte daraus den Schluß ziehen, daß unser Problem sich nicht einfach darum dreht, ein altes Volk in sein altes Heim zu bringen, es handelt sich vielmehr darum, den neuen Juden oder richtiger Arten von neuen Juden in Beziehung zu setzen zu einem wirklich neuen Land. Unsere Aufgabe ist es, eine neue Nation zu schaffen, eine Nation in manchen Beziehungen so neu wie die Vereinigten Staaten, Kanada, Neuseeland oder Australien. Vermutlich beginnen einige von Ihnen zu glauben, ich predigte überhaupt nicht die zionistische Lehre, sondern sei in die Ugandaketzerei zurückgefallen und vergäße die zionistische Tradition und das Gefühl, das alle Juden für Palästina haben. Keineswegs, aber ich bin mir klar darüber, daß gerade diese Tradition voll von Elementen ist, die zu entfernen Aufgabe und Bestimmung

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