Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ruppins Aufbauplan
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 393 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ruppins Aufbauplan 393 werden, welche Form die Leitung der jüdischen Selbstverwaltung in Palästina erhalten soll, da dies ein Punkt ist, der im Vertrage der zionistischen Organisation mit der Schutzmacht festgelegt werden muß. Diesbezüglich liegt eine Situation vor, für die es kein Beispiel gibt. Auf der einen Seite ist es die Gesamtjudenheit bzw. ihre überwiegende Majorität, die sich die Heimstätte in Palästina aufbaut, auf der anderen Seite verlangt das Prinzip der Selbstverwaltung, daß die palästinensische Judenheit, die in konstanter Bewegung in der Richtung eines rapiden Wachstums durch Immigration sich befinden wird, selbst ein gewichtiges Wort dabei erhalte. Ruppin schlägt vor, daß der vom Kongreß gewählte Jüdische Nationalrat die Vertretung nach außen bilden, die Institutionen kontrollieren, die Einwanderung regeln, die Fonds verwalten soll usw. Mindestens die Hälfte der Mitglieder dieses Rates müßte in Palästina wohnhaft sein. Ein Oberster Rat der palästinensischen Juden soll die Verwaltungsagenden im Lande führen. Die Verbindung beider Körperschaften wird dadurch hergestellt, daß ein gemischtes Komitee gewählt wird, in denen 6 Dezernenten für die verschiedenen Resorts vom Nationalrat und 5 Direktoren der einzelnen Palästinainstitutionen (J. N. F., Banken usw.) sitzen würden. Hierdurch würde die Vereinheitlichung der praktischen Arbeit gewährleistet werden, während bekanntlich bisher die einzelnen zionistischen Institutionen, nicht zum Vorteil der Sache, getrennt gearbeitet haben, trotz der an diesem System seit vielen Jahren geübten Kritik. Der Gedanke Ruppins, nach dem die oberste Leitung in der Hand des Kongresses liegen muß, daß aber die Exekutive zur Hälfte aus Palästinensern bestehen soll, wird wahrscheinlich so verwirklicht werden, daß die palästinensischen Mitglieder nur aus den von der palästinensischen Landmannschaft präsentierten Kandidaten, an die also der Kongreß gebunden wäre, gewählt werden könnten. Schon jetzt hat sich ein ähnlicher Modus herausgebildet. Die neue provisorische zionistische Palästinakommission besteht aus 11 Mitgliedern, von denen 6 durch das Engere Aktionskomitee ernannt sind, 3 sollen von den Juden Palästinas gewählt werden, je 1 Mitglied von Poale Zion und Misrachi, die wahrscheinlich auch Palästinenser delegieren, werden. Da ein Kongreß bis zum Abschluß des Friedensvertrags nicht einberufen werden kann, so wird die zionistische „Jahreskonferenz" das Forum sein, das die erste definitive Leitung zu wählen haben wird. VVie aus diesen kurzen Auszügen aus dem Buche Ruppins zu ersehen ist, behandelt der Autor alle Fragen der zionistischen Arbeit, zu denen er wohldurchdachte, begründete und präzise Vorschläge macht. Wenn auch manche Probleme, wie z. B. dasjenige der Betriebsformen, das sehr kontrovers ist und nicht nur eine Frage danach bedeutet, welch kleinste Fläche genügt, um einen selbstarbeitenden Siedler zu ernähren, sondern auch eine solche nach der richtigen Betriebsführung (Kombination von Einzel- und Gemeinschaftsarbeit usw.), in einer solchen Gesamtkonstruktion nicht im Detail erörtert werden, anderseits auch manche prinzipielle Hauptfrage, wie die soziale, allzu allgemein und zu wenig konkret behandelt erscheint, so ist doch Ruppins Werk das einzige, das als ein „Führer der Irrenden", d. h. der in nebelhafter Unsachlichkeit schwankenden Zionisten, aus der bergehoch angeschwollenen Literatur über die einzelnen Siedlungsfragen herausragt. Es ist bis zu seinem Erscheinen üblich