Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ruppins Aufbauplan
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 394 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101150-3101159-3104849--3521-3104878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
394 Alfred E. Zimmern: gewesen, Einzelfragen, auch prinzipiell wichtige, abgesondert von dem Gesamtzusammenhang zu behandeln und mit Leidenschaft darüber zu diskutieren, was gewiß nötig und von Nutzen ist, aber noch wichtiger ist es, ein klares Bild davon zu erhalten, welcher Gesamtplan zu entwerfen ist, denn nur ein solcher ermöglicht es, die praktischen Erfordernisse der realen Aufbauarbeit — welche Institutionen sind zu schaffen, welches Kapital erfordert sie, welche konkrete Arbeiten sind sofort zu tun, welche politischen Voraussetzungen sind nötig? — in ihrer gegenseitigen Bedingtheit zu erkennen und danach zu handeln. Der staatsmännisch-konstruktive Geist Arthur Ruppins hat uns einen solchen Plan geschenkt. Im einzelnen wird vieles anders gemacht werden müssen, als er es vorschlägt, und die nicht vorhersehbare Entwicklung wird das Bild sicher verschieben, aber das bleibende, nicht hoch genug zu schätzende Verdienst dieses seltenen Mannes ist es, einen möglichen „Aufbau des Landes Israel** in Vollständigkeit und plastischer Form uns vor Augen geführt zu haben. Wien Adolf Böhm EINIGE EINDRÜCKE VON JÜDISCH-PALÄSTINA Diese Rede wurde vor einer kleinen Gruppe von Zionisten im Londoner Geschäftslokal der zionistischen Organisation am 19. August 1919 gehalten, einige Wochen nach meiner Rückkehr von dem ersten kurzen Besuch in Palästina. Wie man leicht erkennen wird, war sie nicht für einen großen Kreis bestimmt, und ich veröffentliche sie nur, weil Berufene mir versichern, daß sie der zionistischen Sache dienen könnte. Ich wäre der letzte, der irgend einen Anspruch darauf machte, daß diese, bei einem flüchtigen Überblick gewonnenen Eindrücke oder die Anregungen, die ich mir erlaubt habe zu geben, maßgebend sein könnten. Aber da meine Tätigkeit hauptsächlich auf dem Gebiet der Erziehung gelegen hat und ich eine ziemlich große Erfahrung habe, sowohl bezüglich des akademischen Lebens innerhalb einer Universität als der erziehlichen Arbeit, die die Universität an jungen, ins praktische Leben tretenden Studenten leistet, hat diese Seite der Sache in Palästina natürlich mein besonderes Interesse erregt. Sollte irgend etwas hier gesagt sein, was imstande wäre, unter Lehrern, Administratoren oder anderen, die in der zionistischen Sache arbeiten, entmutigend oder kränkend zu wirken, so bitte ich im voraus um Verzeihung. Es wäre für mich viel leichter und angenehmer gewesen, ausschließlich bei den vielen und überraschenden Errungenschaften zu verweilen, die das Verdienst der zionistischen Arbeit in Palästina sind, und wenn die Zukunft der Bewegung immer noch fraglich wäre, wenn Begeisterung und Einmütigkeit noch die Parole des Tages wären, würde ich dieser meiner natürlichen Neigung nachgegeben haben. Nun, da der äußere Sieg errungen ist und die Zukunft von Jüdisch- Palästina so gesichert scheint, als öffentliche Erklärungen und diplomatische Übereinkünfte sie machen können, schien es mir dienlicher, zu der Erörterung