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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 9 · p. 391

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 9
Article
Ruppins Aufbauplan
Date
1919-01-01
Page
391 (sequence 7)
Language
German
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Ruppins Aufbauplan 391 jenes Bedenken aufwiegt. Wie dem auch sei, so sehr Ruppin als Praktiker die verschiedenen Wege vorsichtig prüft, so muß doch gesagt werden, daß in derartigen prinzipiellen Dingen nur eine entschiedene Durchführung des als richtig Erkannten von Wert ist. Die Nationalisierung des Bodens oder, besser gesagt, das Gemeineigentum am Boden muß als oberstes Prinzip unseres Siedlungswerkes festgehalten werden. Durch die eindeutige Klarheit in dieser Richtung wird nach innen und außen festgestellt werden, daß der Zionismus ein Gemeinschaftswerk schaffen will, und rein psychologisch genommen wird die einfache Klarheit, mit dem sich dies ausdrücken wird, auf die Energien der Juden so bedeutend wirken, daß dadurch eventuelle kleine Nachteile aufgewogen werden können. Das große Werk der Umschaffung kann nur gelingen, wenn die großen Grundlinien fest und klar vorgezeichnet werden. Nationalisierung des Bodens heißt übrigens nicht nur, den Boden der Spekulation entziehen, seinen Wertzuwachs der Gesamtheit sichern, eine gesunde Bodenverteilung garantieren, sondern auch die richtige Nutzung des verpachteten Landes kontrollieren. So erscheint diese Maßnahme als die gebotene, um nicht nur das Obereigentum am Lande, sondern auch die Oberleitung der Produktion der Gesamtheit zu sichern. Alle sonstigen sozialen Garantien sind, soweit nicht schon die Produktionsformen an und für sich (Genossenschaften) sozialen Charakter angenommen haben werden, durch sozialpolitische Gesetze und durch ein richtiges Steuersystem zu schaffen. Da die Privatinitiative nicht ausgeschaltet werden soll und darf, so ist das Mittel, die Lasten gerecht zu verteilen, sowie einen vernünftigen Ausgleich der Besitzverhältnisse und damit der Lebenshaltung zu schaffen, vor allem in einer sozialen Steuergesetzgebung zu suchen. Dieser Gesichtspunkt kommt bei Ruppin nicht genügend zur Geltung, er ist aber von besonderer Wichtigkeit. Wenn gesagt wurde, daß eine doktrinäre ,,Sozialisierung" oder dgl. „die Henne schlachtet, die die goldenen Eier legt", so kann eine soziale Gesetzgebung selbst inmitten einer reinen Privatwirtschaft — und die palästinensische Wirtschaft wird ja keine solche sein — die gröbsten sozialen Unterschiede ausgleichen, wenn der Steuerertrag zum Teil in einer für die Gemeinschaft produktiven Weise verwendet wird. In den Verhandlungen der zionistischen Leitung mit der Schutzmacht muß daher Gewicht darauf gelegt werden, daß die Möglichkeit solcher Gesetzgebung gewahrt und der zionistischen Gemeinschaft ein großer Einfluß darauf sichergestellt wird. Nicht erwähnt finden wir bei Ruppin auch die Frage der eventuellen teilweisen Einführung der Naturalrechnung an Stelle der Geldrechnung, namentlich bei Lohnzahlungen, Pensionen usw. Hierin hat die Kriegswirtschaft, wenn sie auch sehr viele Mißgriffe mit sich gebracht hat, neue Wege gezeigt. Solange übrigens die Welt an Unterproduktion von Lebensmitteln und Rohstoffen leiden wird — und dies wird noch lange der Fall sein —, wird eine gewisse gemeinschaftliche Regelung zur Sicherung der Versorgung der Bevölkerung, namentlich der minderbemittelten, nötig sein. Eine sofort zu lösende Frage von grundlegender Wichtigkeit ist diejenige nach der Organisation des Siedlungswerks. Ruppin als bewährter Organisator zeichnet mit festen Strichen den Plan dafür. Ein alljüdischer Weltkongreß soll einen obersten „jüdischen Nationalrat" mit 20-30 Mitgliedern wählen, der die legitimierte Vertretung des jüdischen Volkes bei der Mandatarmacht sein wurde.

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