Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ruppins Aufbauplan
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 389 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Ruppins Aufbauplan 389 Dazu kommen noch die Erfordernisse der städtischen Kolonisation in den ersten 10 Jahren: Nationalfonds............48 Millionen Francs Fonds für Schulen und Wohlfahrt ... 30 Kapitalien verschiedener Banken; .... 100 178 Millionen Francs. Diese Kapitalien müßten von außen einströmen, wozu noch die privaten Betriebskapitalien für alle Arten Unternehmungen kämen. Wie man aus diesen Ziffern sieht, ist der Kapitalsbedarf ein sehr großer — man vergesse nicht, daß alle diese Berechnungen nach den Ziffern der Friedenswirtschaft in Palästina veranschlagt sind. Die Aufstellung Ruppins würde sich beträchtlich verschieben, wenn das Prinzip der Nationalisierung restlos durchgeführt werden sollte. Dann würden Kapitalien, welche Ruppin für Eigenkauf von Boden bei einigen Kategorien rechnet, auf den Nationalfonds entfallen. Es handelt sich da um recht bedeutende Summen. Wenn man nur den nackten Boden ohne Ameliorationen nach Ruppins Voranschlag berechnet, so wären das 25—50 Millionen Francs, die der Nationalfonds mehr aufbringen müßte und die Ansiedler weniger mitzubringen hätten. Dies ist einer der Gründe, warum Ruppin bezüglich der Nationalisierung des Boden ein gewisses Übergangsstadium vorsieht, wovon noch zu reden sein wird. Nach dem zitierten Schema müßte das Spendenkapital in 10 Jahren Millionen Francs (98,50 -f - 48 -f - 30) betragen, was sich bei restloser Nationalisierung auf weit über 200 Millionen steigern würde. Diese Ziffer muß aus dem schon angeführten Grunde, daß Ruppin mit Friedensansätzen rechnet, zumindest verdoppelt werden, so daß für das Jahr ein Spendenerfordernis von 40 bis 50 Millionen Francs herauskäme. Das Spendenkapital würde vor allem in Amerika aufgebracht werden müssen, zur heutigen Relation gerechnet sind dies ungefähr 5 bis 6 Millionen Dollar im Jahr. Man darf nicht von vornherein annehmen, daß es bei dem Reichtum Amerikas und insbesondere der jüdischen Finanzkreise dort so leicht wäre, alljährlich eine so hohe Summe zu erlangen. Amerika hat, wie nicht anders zu erwarten, seit es selbst am Kriege teilgenommen hat, wirtschaftlich sehr gelitfen, und die Vorstellung, daß es sich nur bereichert hätte, ist, wie es für jeden ökonomisch Denkenden von vornherein klar ist, falsch. Die starken Einberufungen, die Massenproduktion von Kriegsmaterial und ihre plötzliche Einstellung hat ähnliche Folgen gezeitigt wie in Europa: Verwüstung des Produktionsapparates, Mangel und. Teuerung aller Materialien, Sinken der Erzeugung von Lebensmitteln und normalen Bedarfsartikeln, Geldknappheit usw. Die wilden Arbeiterbewegungen, von denen der Telegraph spärlich berichtet, sind Folgen dieser Zustände. Trotzdeni wird Amerika noch immer relativ die größten Kapitalien für die zionistische Sache aufbringen. — Das Ansiedlerkapital (175 Millionen), reduziert um das Bodenankaufskapital, 125—150 Millionen, verdoppelt (siehe oben) ca. 300 Millionen oder 30 Millionen per Jahr, wird, entgegen den Erwartungen der Maximalisten, noch viel schwerer aufzubringen sein, angesichts der entsetzlichen Verwüstung der ostjüdischen Wirtschaft und der furchtbaren Entwertung der Valuta. Nach dem heutigen Stande der osteuropäischen Währungen müßten die Ansiedler in wenigen Jahren Milliarden ihrer Valuta aufbringen. Es ist daher die Verschiebung, die bei restloser