Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Ruppins Aufbauplan
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 388 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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388 Adolf Böhm: tensivierung auf der ganzen Breite der Wirtschaft nicht anfangen kann; sie ist vielmehr immer nur das Ergebnis einer sukzessiven Entwicklung. Der Erwerb eines Drittels des anbaufähigen Bodens ist nicht möglich ohne eine sehr gründliche und weitgehende Auseinandersetzung mit den arabischen Besitzern. Sie bedeutet eine Operation so großen Stils, daß sie eine öffentlichpolitische sein müßte. Hierüber spricht Ruppin mit dem ihm eigenen staatsmännischen Einsicht. Er zählt nicht nur die ökonomischen Vorteile auf, welche die Araber durch die Massensiedlung von Juden erreichen können, welches Argument seit jeher in den eisernen Bestand der zionistischen Theorie gehörte, sondern er legt Gewicht darauf, zu betonen, daß der neue vorderasiatische arabische Staat mit nur 5—6 Millionen arabisch sprechender, durchaus nicht einheitlicher Bevölkerung sehr schwach sein wird und die Verbindung mit der Gesamtjudenheit politisch und ökonomisch für ihn von größter Bedeutung werden könnte. Er spricht ferner davon, daß, ähnlich wie durch Jahrhunderte in Spanien, eine biotische und kulturelle Durchdringung zwischen Juden und Arabern möglich und wünschenswert wäre. Solch hohe Gesichtspunkte bekunden immer aufs neue den eminenten Weitblick des Autors. Den Geldbedarf für die als Beispiel gegebenen Ansiedlungsziffern berechnet Ruppin, mangels einer andern festen Basis, auf Grund der Friedenspreise. Die enorme Steigerung aller Kosten wird natürlich in der Praxis ein Vielfaches, mindestens das 2—2x/2 fache erfordern. An eine Rückbildung der Preise in absehbarer Zeit ist nicht zu denken. Bei diesen Berechnungen ist zudem besonders die Frage der Bodenpreise eine offene. Hier kommt alles darauf an, in welcher Weise die Schutzmacht eine Regelung vornehmen wird. Eine solche ist die erste Vorbedingung für die Möglichkeit, überhaupt eine Ansiedlung zu schaffen, denn bei der Nötigung, den Boden rein privatrechtlich zu erwerben, würden die Preise ins Maßlose getrieben werden, wodurch jede rentable Wirtschaft von vornherein unmöglich erschiene. Ruppin schlägt einige Maßnahmen vor, die eine Regierung, welche die Ansiedlung fördern wollte, einführen könnte. Es sind solche, wie sie von den Bodenreformern vorgeschlagen werden (Grundsteuer nach dem gemeinen Wert, Wertzuwachssteuer, Beschränkung der Besitzgrößen, Vorkaufsrecht, Enteignungsrecht für öffentliche Arbeiten usw.). Er geht aber vielleicht in diesen Vorschlägen nicht weit genug, weil er schärfere Maßnahmen für kaum ausführbar hält. Es ist jedoch denkbar, daß die Regierung, ähnlich wie es seinerzeit die deutsche in Kiautschau (Landordnung vom 2. September 1898) getan hat, erklärt, daß sie im Prinzip alles Land zum Schätzwert erwirbt, und von diesem Rechte in solcher Weise Gebrauch macht, daß das Ziel, den Boden jeder Spekulation zu entziehen und seine Besiedlung zu regeln, auch tatsächlich erreicht wird. Mit den Vorbehalten, die sich aus dem Gesagten ergeben, ist der errechnete Kapitalsbedarf zu urteilen. Ruppin veranschlagt für die landwirtschaftliche Kolonisation bloß für die ersten 10 Jahre: für die Ansiedler.......... *77>35 Millionen Francs „ Institutionen.......... 230,00 „ „ „ Spendenkapital (Nationalfonds und Kolonisationsfonds).......98,50 „ „ 505,85 Millionen Francs.