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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 240

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die Bodenkultur bei den Juden
Date
1916-07-01
Page
240 (sequence 4)
Language
German
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240 J. Oettinger: Arbeit einen starken Aufschwung nehmen wird, da unterdessen das Interesse für Palästina unter den arbeitenden jüdischen Massen, sowie in den wohlhabenden Kreisen stark zugenommen hat. In Argentinien hat bis vor dem Kriege die Zahl der in den Kolonien der ICA lebenden Kolonisten, Arbeiter und Handwerker die Ziffer von 26000 Seelen überstiegen. Den Verhältnissen des Landes entsprechend, treiben da die Kolonisten extensiven, Ackerbau und eine weitausgedehnte Viehzucht. Die 3400 Kolonistenfamilien haben im Jahre 1913 197000 ha Land bestellt und 122320 Stück Vieh, darunter 24480 Milchkühe, besessen. Es sind letzthin die ersten Schritte gemacht, um gärtnerische Kulturen auch unter den argentinischen Kolonisten zu verbreiten. Die Zahl der Kolonisten wächst in Argentinien allmählich, aber stetig, dank den großen Mitteln der ICA und den von ihr, nach vielen überstandenen Schwierigkeiten, ausgearbeiteten kolonisatorischen Methoden. Ob sich in Argentinien die Landwirtschaft unter den Juden spontan entwickeln wird, wenn einmal die ICA ihre Tätigkeit dort einstellt, ist in Anbetracht der für eine jüdische Besiedelung in diesem Lande fehlenden nationalen Beweggründe wohl fraglich. In den Vereinigten Staaten Nordamerikas hat sich seitens der jüdischen Einwanderer in den letzten zwei Jahrzehnten eine starke Bewegung zur Gründung und zum Ankaufe von Farmen entwickelt. Über fünftausend jüdische Farmer existieren da bereits. Eine gut redigierte Fachzeitschrift, die den Namen „Der jüdische Farmer" trägt, dient den Interessen der Kolonisten, Häufige Konferenzen wirken für ihren Zusammenschluß, und viele jüdische Arbeiter finden dort bereits Betätigung und Gelegenheit zur praktischen Anweisung. Auch in Kanada sind mehrere hundert jüdische Kleinbetriebe in letzter Zeit entstanden und haben sich einer gedeihlichen Entwicklung fähig gezeigt. So sehen wir in Osteuropa, in Palästina, in Süd- und Nordamerika Juden in den verschiedensten landwirtschaftlichen Zweigen tätig. Etwa eine Viertelmillion Seelen haben in denselben bereits eine Erwerbsquelle gefunden. Juden pflegen die für jede Gegend am besten passende Kultur zu ergreifen und erreichen, nach einer gewissen unumgänglichen Periode des Tastens und Lehrgeldzahlens, einen Grad der Vervollkommnung, der ihnen auf allgemeinen landwirtschaftlichen Ausstellungen Auszeichnungen für die Güte ihrer Erzeugnisse einbringt. Solche sind von den palästinensischen Weinbauern für treffliche Weine erlangt worden, von bessarabischen Kolonisten für herrliches Tafelobst und für sorgfältigen Samenanbau von Futterrüben, Bohnen, Gurken und Melonen, von argentinischen Kolonisten für verständnisvolle Viehaufzucht und für ausgezeichnete Qualität von Weizen, Gerste und Leinsaat. Und in jedem der von den Juden erst vor so kurzer Zeit in Angriff genommenen landwirtschaftlichen Zweige finden wir Leute, die ihre Spezialität bereits fanatisch liebgewonnen haben. Da ist der podolische und bessarabische Kleinstädter, der erst vor fünfzehn Jahren auf einem kleinen Grundstücke einen Obst- und Weingarten angelegt hat, auf seine prächtigen Wintercalville- und Goldparmänenäpfel, auf seine Dechantsbirnen, auf seine Chasselas-Trauben stolz. So mancher von diesen Gartenbauern kennt sich in der Sortenkunde gut aus und träunit davon, sich stets bessere Varietäten zur Veredelung des auch so schon feinen Sortiments seiner Früchte und Trauben zu verschaffen. In Palästina lassen die Besitzer der Orangengärten ihre Bäume eine an Sorgfalt und Liebe immer zunehmende Pflege genießen. In Argentinien begegnet man unter den Kolonisten auf Schritt

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