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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 235

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Fragen des ostjüdischen Wirtschaftslebens
Date
1916-07-01
Page
235 (sequence 3)
Language
German
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Fragen des ostjüdischen Wirtschaftslebens 235 und Frauen 17,78 Prozent; mit Hausdienst: Männer 18,70 und Frauen 39,93 Prozent. Der Rest fällt auf freie Berufe und Erdarbeit, Betrachten wir die „Russen" (Juden) besonders, so haben wir folgende Ziffern: in Handwerk und Fabrikation: Männer 61,08 und Frauen 71,30 Prozent; in Handel und Verkehr: Männer 30,45 und Frauen 14,45 Prozent; im Hausdienst: Männer 5,08 und Frauen 12,55 Prozent.*) Uns interessiert hier nicht die Frage, warum die jüdische Bevölkerung New Yorks sich so sehr von den übrigen Einwohnern durch ihre Berufe unterscheidet. Wir suchen jetzt eine Antwort auf die Frage, was aus den hunderttausend Juden geworden ist, die gestern und vorgestern Rußland verlassen haben und deren Beschäftigungen in der alten Heimat wir sehr gut kennen. Es erweist sich aus den gebrachten Daten, daß bis zu 75 Prozent der jüdischen erwachsenen arbeitenden Bevölkerung New Yorks im Handwerk, in der Fabrikation und im Hausdienst beschäftigt sind, während in Rußland der entsprechende Prozentsatz nur 47,8 beträgt.**) 4. Wir sehen noch ein Symptom, das beweist, daß der jüdische soziale Organismus in Amerika sich erneut und, wenn man sich so ausdrücken darf, gesünder wird. Das ist die Farm- und Kolonisationsbewegung. Wir sind weit entfernt davon zu glauben, daß die ganze Kolonisationsströmung unter den russischen Juden in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts bloß durch die damalige russische Regierung und die paar Bücher der damaligen Maskilim veranlaßt wurde. Es waren gewiß weit tiefere Ursachen, die den litauischen und weißrussischen Mäklerjuden in die öden Steppen Neurußlands trieben, um den Boden zu bearbeiten. Hier trifft zu, was Orschanski geschrieben hat: „ . „. Dieses leichte Leben (des Handels und Wandels) ist so schwer und ertraglos, daß es kein Leben zu nennen ist, und darum haben viele Juden, ohne jede Beteiligung und Hilfe der Regierung, beschlossen, das Spazierstöckchen, das Symbol der Mäklerei, in die Ecke zu werfen und sich dem Pflug zuzuwenden" („Die Juden in Rußland" S. 120). Ganze Judengruppen baten, man solle ihnen in den Gouvernements Erde geben, in welchen sie seit langem wohnten, und sie nicht nach fremden unbekannten öden Gegenden schicken. Die Bitten blieben selbstverständlich unerfüllt. Nikitin erzählt in seinem sehr interessanten Buch über die jüdischen Kolonien in Rußland mehrere derartige Begebenheiten. Er bringt auch die Tatsache, daß im Jahre 1847 aus verschiedenen Orten des Ansiedlungsrayons 2So jüdische Familien, ungefähr 2000 Personen, nach Odessa kamen und baten, man solle ihnen im Chersoner oder taurischen Gouvernement Boden geben. Das Los dieser Gruppe war sehr traurig, weil auch in den südlichen Gouvernements, nicht nur im Zentrum des Ansiedlungsrayons bereits keine freie Erde mehr vorhanden war. Sehr interessant ist die Bemühung einer Gruppe Juden im Jahre 1840, fünftausend Deßjatinen Land in Beßarabien zu erhalten. Die Bittsteller schreiben: „Tausende von fast arbeitslosen Händen könnten durch Arbeit schönen und ehrlichen Unterhalt finden, die übrigen durch Handwerk und Handel wenn nicht Überfluß, so doch das zum Leben Nötige erwerben ... Es könnte ein Gleichgewicht hergestellt *) Rubinow, „Die ökonomische Lage der Juden in New York". Zeitschrift „Woschod" ^05. Hefti. **) Bruzkus a.a.O. S. 8.

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