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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 230

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die deutschen Juden in der deutschen Politik
Date
1916-07-01
Page
230 (sequence 19)
Language
German
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2^o Moritz Bileski: punkten bestimmt, ist ohne weiteres klar; denn es ist nicht ersichtlich, woher, bei einer Bekämpfung der Politik mit nationaler Grundlage, die Veranlassung zu derartigen Änderungen kommen sollte. Aber man kann kaum glauben, daß die antinationale Anschauung sich in dem Umfange wie bisher aufrecht erhalten wird. Wenn die Juden nicht von ihrer wichtigsten Aufgabe her, durch die Möglichkeiten, die das Ostjudentum für die Zukunft des Judentums bedeutet, zum Nationaljudentum gelangen, so wird ihnen die Solidarität mit den Ostjuden von außen klar gemacht werden. Die Unterscheidungskünste werden kaum Erfolg haben, man wird in der deutschen Öffentlichkeit, wenn das Ostjudentum erst mehr ihrem Einfluß unterliegen und ihr allgemeiner bekannt sein wird, die Gleichartigkeit von Juden und Juden im Wesen, allen entgegengesetzten Beteuerungen zum Trotz, feststellen. Und möglicherweise führt die in den maßgebenden deutsch-jüdischen Kreisen herrschende Auffassung dazu, daß Urteile, die den Juden unfreundlich gesinnt sind (und die, soweit sie das Ostjudentum angehen, durch die abweisende Haltung der deutschen Juden, die Verlegenheit vor dem Kompromittiertwerden, nicht entkräftet werden) auf die deutschen Juden verallgemeinert und vielleicht daraus gezogene ungünstige Folgerungen auf sie erstreckt werden. Das wenigstens kann keinem Zweifel unterliegen, daß die bisher schon den Juden Abgeneigten die deutschen Juden über ihre Verbundenheit mit den Ostjuden aufs nachdrücklichste belehren und durch deren Auftreten sich nicht gerade widerlegt glauben werden. Die Gemeinschaft des Blutes wird so auch diejenigen Juden, die ihr widerstreben, mit ihrem Schicksal an das Schicksal der Ostjuden fesseln, schon deswegen, weil sie zumindest den Außenstehenden gegenüber sich Geltung verschaffen wird. Sollte aber auch die künstliche Trennung vom Ostjudentum sich mit äußerem Erfolge aufrecht erhalten lassen, so wird der den Kern der Dinge suchende Beurteiler zu der Erkenntnis kommen müssen, daß das nicht zum Besten des Verhältnisses der deutschen Juden zur deutschen Politik geschieht. 6. Es bleibt übrig, noch auf einige Einwendungen zurückzukommen, die vom Standpunkt des deutschen Politikers gegen unser Urteil gemacht werden könnten, daß die Anerkennung des Nationalismus das Verhältnis zur deutschen Politik gegenüber dem vorhandenen Zustande günstig beeinflussen müsse. Sicher ist ja, daß auch hier jüdische Kräfte zur Entfaltung kommen, und man kann von deren Einwirkung auf die Politik eine Beeinträchtigung ihres deutschen Wesens, eine Hemmung bei der Durchsetzung des deutschen Gedankens befürchten. An Anklagen dieser Art hat es ja bisher schon nicht gegenüber den Nur-Konfessions-Juden gefehlt, denen man in der Politik wie auf allen Gebieten, die kulturelles Schaffen berühren, zum Vorwurf machte, daß ihre Mitarbeit durch die — hier zurückgedrängten oder verbogenen — jüdischen Wesenszüge störend und unerfreulich sich bemerkbar mache. Sieht man von einer Bewertung der Tatsache ab und beschränkt sich lediglich auf die Frage ihres Vorhandenseins, so dürfte bei vorurteilslosen und sachkundigen Beurteilern Übereinstimmung darüber herrschen, daß das Mitleben der Juden in deutschen Kulturgütern zu besonderen Erscheinungsformen, zu einer „jüdischen Note geführt hat. Sie ist auch in einer Wirkung der Geister zu spüren, die sich besonders hemmungslos und hingegeben die Früchte deutschen Geistes zu eigen gemacht haben. Von ihnen geht eine manchmal deutlich, meistens nur leise fühl-

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