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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 228

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die deutschen Juden in der deutschen Politik
Date
1916-07-01
Page
228 (sequence 17)
Language
German
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228 Moritz Bileski: 5- Bisher lag der Betrachtung, die alle möglichen Fälle von Wirkungen der nationaljüdischen Auffassung auf die politischen Verhältnisse klar stellen soll, die Annahme zugrunde, daß die politische Zukunft im wesentlichen dieselben Voraussetzungen für eine Teilnahme der deutschen Juden an der Politik enthält wie die Vergangenheit. Es besteht jedoch berechtigte Veranlassung dazu, diesen Fall lediglich als theoretisch anzusehen und für die praktische Gestaltung eine andere Richtung zu erwarten. Der vom Kriege herbeigeführte politische Zustand enthält eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine entscheidende Änderung und Ergänzung der Tatsachen, an denen sich politische Interessen der Juden kristallisieren können. Obwohl das Schicksal der an den Osten Deutschlands grenzenden Gebiete noch unsicher ist, so läßt sich doch wohl schon mit einiger Gewißheit sagen, daß Deutschland in irgend einer Form auf die politischen Zustände und Wirkungen jener Länder dauernden Einfluß behalten wird. Damit unterliegen die Schicksale eines großen Teils der ostjüdischen Millionenmasse seiner Einwirkung. Das bedeutet, daß zu den allgemeinen Wirkungen der nationalen Auffassung auf die Politik, besondere, unmittelbar jüdische Inhalte hinzutreten. Nicht nur aus rein menschlichem oder durch gemeinschaftlichen Ideenbesitz begründetem Mitgefühl — aus einer unmittelbareren und frischeren Quelle entspringt diese Art der Teilnahme an der Politik: es bedarf keiner näheren Darlegung, wie überaus wichtig, vom nationaljüdischen Standpunkt aus, die Aufgabe sein muß, den gebundenen und verkümmerten Kräften des Ostjudentums Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit zu sichern. Für die Erhaltung und Bedeutung des Judentums in seinem gegenwärtigen Bestände ebenso wie für die mit Palästina verbundene Zukunft ist es von größter Wichtigkeit, daß ein starkes Ostjudentum seine gemehrten Energien diesen Aufgaben widmen kann. So können unmittelbar jüdische Interessen an die Gestaltung des deutschen Staatslebens anknüpfen. Diese Tatsache ist neu und muß die politische Interessiertheit der deutschen Juden entscheidend beeinflussen, denn bisher konnten die Juden aus ihrer nationalen Besonderheit und Aufgabe keine tieferen, positiven Beziehungen zur deutschen Politik ableiten. Jetzt, wo die Wirkungen des Staates unmittelbare Bedeutung für die Schicksale ihres Stammes besitzen, gewinnen sie starke, aktive und innerliche Anteilnahme daran, in welcher Richtung diese Wirkungen sich bewegen (wie dies z. B. in Österreich schon bisher zu beobachten war). Es ist selbstverständlich, daß hierdurch nicht nur ein starkes Interesse an der Politik entsteht, sondern auch das Verhältnis zum Staat allgemein erweitert und vertieft wird. Das Bekenntnis zvx jüdischen Nation schließt so eine engere Verbundenheit mit dem Staate ein, die nationale Politik wird die Grundlage innerlicher Beziehungen zur Politik des Staates. Und es muß noch besonders darauf hingewiesen werden, daß diese Verinnerlichung des Verhältnisses zum Staate zunächst einmal unabhängig ist von der Art, wie dessen Politik den Ostjuden gegenüber sich in der Praxis gestaltet. Auch für den — lediglich um der theoretischen Betrachtung willen angenommenen — Fall, daß die Regierung oder eine bestimmende Mehrheit die Ostjuden anders behandelt, als das den Wünschen der Nationaljuden entspricht, muß der engere Anschluß an den Staat sich wirksam zeigen. Auch dann, wenn die Nationaljuden genötigt wären, um ihre ostjüdischen Ziele zu kämpfen und sich zu den ausschlaggebenden Strömungen der

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