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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 227

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die deutschen Juden in der deutschen Politik
Date
1916-07-01
Page
227 (sequence 16)
Language
German
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Die deutschen Juden in der deutschen Politik 227 samtheit lebendig berührenden Teilnahme an der deutschen Politik führen könnten. Es unterscheidet sich in dieser Beziehung nicht von den — anti- oder anationalen —■ Anschauungen, die bisher im Verhältnis der deutschen Juden zur Politik zum Ausdruck kommen; auch diese enthalten keine gemeinschaftliche, dem Judentum entstammende Kraft, die zur Teilnahme an der deutschen Politik triebe. Aber das nationale Judentum ist geeignet, das Verständnis für die allgemeine Bedeutung des Staates und seiner Tätigkeit zu vertiefen. Und wer als Einzelner lebendiges Interesse für Politik hat, der besitzt nicht nur dieses geläuterte Verständnis, sondern er wird auch frei sein von den Schlacken, die das Übersehen oder Zurückdrängen natürlicher Tatsachen der politischen Tätigkeit beimischt und die zu einer Ablenkung ihrer Bahnen führen können. So muß die nationale Auffassung des Judentums durch Beseitigung verfälschender Momente zur Reinigung des politischen Lebens beitragen. Man wird zugeben müssen, daß von einem Standpunkt, der im Judentum einen für die deutsche Politik wertvollen und lebendigen Faktor sehen möchte, dieses Ergebnis mit einer gewissen Resignation verbunden ist. Daran ist nichts zu ändern. Wer sich den natürlichen Kräften und ihren Wirkungen nicht verschließt, muß damit rechnen, daß die jüdische Eigenart die Teilnahme an der deutschen Politik in mannigfacher Beziehung erschwert. Er wird sich mit den — noch immer nicht unbeträchtlichen - Ergebnissen begnügen müssen, welche die gegebenen, in ihrem Wesen nicht verfälschten Tatsachen gestatten. Der Wert dieser Ergebnisse liegt besonders in den gemeinschaftsbildenden, das Staatsgefühl stärkenden Inhalten, die das Nationaljudentum besitzt, und ferner in den gemehrten sittlichen Energien: solche müssen den Idealen innewohnen, welche die Sicherung der — unpersönlichen — Zukunft dem persönlichen Behagen einer bequemen Gegenwart vorziehen und von ihren Anhängern die Übernahme herber Pflichten ohne Aussicht auf äußere Vorteile verlangen. Diese — bei aller notwendigen Selbstbescheidung vorhandenen — Vorzüge des Nationaljudentums werden besonders deutlich durch die Gegenüberstellung mit dem antinationalen Judentum, dem sie fehlen. Wird dem Nationaljuden durch die Fundamentierung seines Lebens auf sein eigenes Wesen und dessen Forderungen der Anschluß an die deutsche Politik erschwert, so zeigt der Assimilationsjude, der in dem innigsten Bemühen, restlos in der deutschen Politik aufzugehen, alle Hemmungen seiner Natur beiseite setzt, Selbstentäußerung, Haltlosigkeit und Mangel an Würde, im wesentlichen die Fehler, die man als spezifisch jüdisch bezeichnet. Besonders die Art, in der der bleibende Gegensatz und der voraussichtlich ebenfalls bleibende Kampf gegen das Judentum auf die so beschaffenen Juden wirken muß, gibt zu lebhaften Befürchtungen Anlaß: die sittlichen Kräfte werden dabei noch stärker gemindert werden, denn nur immer größere Verwirrung, Nachahmungssucht, Selbsttäuschung und Haschen nach äußeren Erfolgen muß bei dem Verhalten der Assimilanten die Folge sein; innerliche Korrupvion oder Verzweiflung wird immer häufiger das Ende dieses Blendwerks bilden. Nimmt man diese — in die Gegenwart deutlich genug eingezeichnete — Perspektive zu der schon erwähnten Unmöglichkeit, frei und ohne Ablenkungen an politische Fragen heranzutreten, so wird man nicht daran zweifeln, daß schon die stärkere sittliche Festigkeit und Zuverlässigkeit den Nationaljuden auch für das Verhalten in der deutschen Politik höheren Wert verleiht, als ihren jüdischen Gegnern — trotz aller Einschränkungen, die aus dem Wesen des Nationaljuden fließen. 16*

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