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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 221

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die deutschen Juden in der deutschen Politik
Date
1916-07-01
Page
221 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Die deutschen Juden in der deutschen Politik 221 Juden nicht nur durch Übereinstimmung der Grundanschauungen, sondern auch durch spezielle wirtschaftspolitische Interessen zur nationalliberalen Partei geführt. Soweit Juden in der Großindustrie eine Rolle spielen, werden sie für die nationalliberale Wirtschaftspolitik häufig Verständnis zeigen. Und auch ohne den unmittelbaren Zusammenhang eigener Interessen mit diesem Wirken der nationalliberalen Partei findet der Gegensatz zum liberalen Freihandelsprinzip, das Verlangen nach sicherem Schutz der nationalen Arbeit im Interesse der Kraft des Staates Anklang und Widerhall, Mit der nationalliberalen Partei sind die politischen Anschauungen, die für jüdische Kreise von Bedeutung sind, noch nicht vollständig aufgezählt. Es ist —■ noch weiter nach rechts —■ auch die freikonservative Gruppe noch zu erwähnen. Es ist zunächst wieder die Gemeinsamkeit wirtschaftspolitischer Ansichten, die manchen deutschen Juden zur freikonservativen Partei zieht. Die freikonservative Wirtschaftspolitik unterscheidet sich nicht wesentlich von der nationalliberalen, und so sind auch die hierher fallenden Einflüsse auf jüdische Kreise derselben Natur wie bei der nationalliberalen Partei. Daneben macht sich noch eine andere Motivenreihe geltend. Die schon erwähnte Einrichtung auf den Standpunkt der vollzogenen Emanzipation führt zu einer selbständigen Beurteilung der politischen Fragen und macht daher auch die Prüfung der konservativ gerichteten Anschauungen von der hergebrachten, von entgegengesetzten Gesichtspunkten erfolgenden Darstellung und Bewertung unabhängig. So kann das — diesen Einflüssen keinen Raum gebende — persönliche Urteil zur Wertschätzung staatlicher Einrichtungen führen, deren Erhaltung und Förderung konservative Gedanken gewidmet sind. Die starke Betonung des monarchischen Elements, die Hervorhebung seiner Bedeutung für das Staatsleben finden Verständnis. Ebenso wird das — hier noch gesteigerte — Bewußtsein von der Notwendigkeit einer starken, nach innen und außen wirksamen Staatsgewalt geteilt, die entschiedene Abwehr umstürzender Neuerungsversuche gebilligt. Die Werte der mit Heer und Beamtentum, Besitz und Adel verknüpften Traditionen werden anerkannt. Den Bemühungen, die Mitwirkung der Bürger bei der Entscheidung über die Schicksale des Staates nach der Urteilsfähigkeit und der Bedeutung des einzelnen für den Staat abzustufen, verschließt man sich nicht. Die Erhaltung der Einzelstaaten und der in ihnen ruhenden Besonderheiten gegenüber dem uniformierenden Einfluß des Reiches wird zum Wohle und zur Bereicherung der Gesamtheit gefordert. Daß Juden, deren politische Gedanken sich in diesen Richtungen bewegen, trotzdem nicht von der konservativen Politik angezogen werden, ist verständlich. Das Tivoli-Programm der konservativen Partei ist antisemitisch. Und auch abgesehen davon, daß dieser Programmpunkt in der Praxis häufig recht deutlich erkennbar wird, wirkt der Inhalt der freikonservativen Richtung stärker anziehend auf die konservativem Empfinden nahestehenden Juden. Zunächst ist das Interessenmoment nicht so deutlich ausgesprochen, wie in der deutsch-konservativen Partei, die ihren agrarischen Charakter mit großer Entschiedenheit betont und die Vorteile besonders des Großgrundbesitzes energisch wahrnimmt. Dann aber werden die staatlichen Gesichtspunkte, von denen oben die Rede war, von der konservativen Partei im wesentlichen deswegen, weil sie da sind, aus dem Streben nach der Erhaltung des Bestehenden verteidigt. Die freikonservative Begründung birgt einen Unterschied von dieser, lediglich auf das Gewicht der Tatsachen gestützten Methode. Sie enthält

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