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Der Jude · 1916-07-01 · Heft 4 (Juli 1916) · p. 214

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Journal
Der Jude
Volume
1 (1916-1917)
Issue
Heft 4 (Juli 1916)
Article
Die deutschen Juden in der deutschen Politik
Date
1916-07-01
Page
214 (sequence 3)
Language
German
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214 Moritz Bileski: die Führung seines Lebens nicht anderer Kreise störend durchwirbeln und andere von ihrem Platze drängen, sondern sich in bestimmter Bewegung zur umfassenden Harmonie des Volkskreises einrichten soll, nur dem kann die Polis zugestehen, daß sie einen Platz in seinem Leben einnimmt. Die Rolle, welche die Politik bei der Masse der deutschen Juden spielt, zeugt nicht von dieser Weite und Höhe des Gesichtskreises. Wir wenden uns nunmehr zu den Juden, für welche die Politik eine ernsthafte, innerliche Bedeutung hat und die ihrerseits als Folge ihrer gesteigerten Teilnahme für das politische Geschehen von Bedeutung sind. Aus dem vorher Gesagten folgt, daß in ihnen die Erkenntnis vom Zusammenhange des Einzellebens mit dem Gedeihen des Staates lebendig ist, daß sie, wie wir es mit einem Worte nennen können, Staatsbewußtsein besitzen. Diese politisch interessierten Juden sind nicht als einheitliche, geschlossene Gruppe anzusehen. Es muß vielmehr hervorgehoben werden, daß sie den Weg zur Politik immer als Einzelne zurücklegen. Sie finden sich zwar zu mehreren — oft in nicht unbeträchtlicher Anzahl — in bestimmten Parteigruppen zusammen. Aber sie entstammen nicht einem großen, einheitlich gestimmten, politisch bewußten Kreise, ihre Beschäftigung mit der Politik fließt nicht aus einer gemeinsamen Anlage, einem Typuscharakter. Die Herkunft und der Zusammenhang mit einer politischen Menge fehlt ihnen. Während sonst der politisch Interessierte Antrieb und immer erneute Anregung aus irgend einem soziologischen Zusammenhange findet, ist ihre politische Tätigkeit nur daraus zu erklären, daß sie persönlich an dem Problem des Staates Interesse finden. Ihnen gewähren die Geschäfte der Politik die Bereicherung und Erfüllung des Lebens, die andere Juden — auch wieder als Einzelne — aus der Beschäftigung mit Kunst oder Literatur empfangen. Der politisch interessierte Jude kommt nur deshalb zur Politik, weil er dort seine Anlagen betätigen kann, weil er hofft, dort einen Inhalt für sein eigenes Leben zu finden — genau wie der jüdische Ästhet in der Malerei oder Musik oder Poesie. Dieses Fürsichsein — in einem doppelten Sinne — des Juden, der an der Politik Anteil nimmt, findet einen Ausdruck auch darin, daß er in recht hohem Maße in der Partei, der er angehört, in führenden Stellungen höheren oder geringeren Grades, ja eigentlich überhaupt nur in solchen Stellungen anzutreffen ist. Das ist nach dem Gesagten erklärlich genug: der politisch interessierte Jude gehört nicht zu einer größeren Menge, er stellt keinen Durchschnitts-Typus dar. Wer von Juden sich mit Politik beschäftigt, tut das deshalb, weil er für sein persönliches Leben die besonderen Hoffnungen von der Politik hegt und sich ihr daher in der besonderen Weise hingibt, wie das der politische Führer tut. Diese Tatsache, daß der politisch interessierte Jude immer als Einzelner erscheint, bedeutet zugleich, um das nochmals zu betonen, daß er für die politische Bewertung der jüdischen Gesamtheit keine wesentliche Rolle spielt. Dieser Umstand schließt übrigens nicht aus, daß der jüdische Politiker als charakteristischer Bestandteil des Judentums Bedeutung besitzt. In der Art seiner Stellungnahme und Betätigung wird sich oft genug Gelegenheit finden, den Juden zu erkennen. Auch der jüdische Politiker ist mit den Eigenschaften seines Stammes begabt, sie zeigen sich mit Naturnotwendigkeit in seiner Art, aufzufassen und zu handeln. Die historischen Schicksale des Judentums beeinflussen sein Wesen wie das jedes Juden. Daher wird man oft genug in seiner Politik Züge feststellen können, die aus seinem Judentum zu erklären sind und für die Charakteristik des Judentums

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