Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Israel-Homunculus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 381 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Israel-Homunculus 38i tochter Galatee, der Schönheitsgöttin, die in Venus' Muschelwagen bald über den Wellen erscheinen muß. Doch rät er: Hinweg zu Proteus! Fragt den Wundermann, Wie man entstehn und sich verwandeln kann. Thaies schildert diesem göttlichen Verwandlungskünstler die Nöte seines Freundes: Er ist, wie ich von ihm vernommen, Gar wundersam nur halb zur Welt gekommen. Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften, Doch gar zu sehr am greiflich Tüchtighaften, Bis jetzt gibt ihm das Glas allein Gewicht, Doch war1 er gern zunächst veikörperlicht. Und heimlich flüstert er Proteus zu, daß die Zeugungskraft dieses künstlichen Männleins mehr als problematisch sei — Auch scheint es mir von andrer Seite kritisch, Er ist, mich dünkt, hermaphroditisch. — Haben wir nötig, bei all diesen Versen zu dolmetschen? Sie scheinen uns die ganze Bitterkeit der jüdischen Tragik zu enthüllen. Trotz allen Wissens von den Dingen fühlen wir uns als erdentwurzelte Nation. Wie der unbefriedigte Homunculus sind wir in einer gläsernen Flasche eingeschlossen. Die Flasche konserviert uns, was wir dankbar anerkennen müssen; nur kann sie uns das natürliche Leben auf dem Heimatboden nicht ersetzen. Alle Dienste, welche wir als Zwischenträger der Kulturen den Völkern leisten, alles Leuchten und Dröhnen vermag uns auf die Dauer nicht zu genügen. Wir möchten im besten Sinn „entstehen". Und wir geben unsern gepriesenen Intellektualismus gern hin um ein bißchen Irdischkeit und Natürlichkeit. Wir sehnen die Zeit herbei, da wir selbsttätig schaffen dürfen und die Schmach des Hermaphroditismus, der mangelnden* Zeugungskraft, vom jüdischen Volke genommen ist. Wohl wissen wir, daß diese Umschaltung des Judentums zu einem neuen Volke Israel nicht mechanisch, nicht mit einem Schlage und nicht ohne innere Erschütterungen und Irrungen vor sich gehen kann. Aber Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand. Willst du entstehn, entsteh auf eigne Hand! IV. Der Rat, den Proteus dem Homunculus gibt, ist katastrophal. Nur durch Vernichtung seiner geistigen Persönlichkeit kann er hoffen, der Irdischkeit teilhaftig zu werden. Dem Weltenmeer in seiner weiten Unendlichkeit muß er sein Lebensprinzip vermählen, um von den Urelementen an in vielen Tausenden von Jahren die Reihenfolge der Organismen neu zu durchlaufen; wenn es ihm glückt, kann er es gar bis zum Menschen bringen. — Und Thaies stimmt bei: Gib nach dem löblichen Verlangen, Von vorn die Schöpfung anzufangen! Der Rat ist Homunculus hochwillkommen. Die grenzenlose Weite des Ozeans, der feuchte Hauch des Meeres üben eine gewaltige Anziehungskraft auf ihn aus: Hier weht gar eine weiche Luft, Es grunelt so, und mir behagt der Duft! Sein Ende ist von dem ganzen Zauber der Poesie umflossen. Die herrliche Galatee erscheint auf ihrem von Delphinen gezogenen Muschelwagen, umgeben von Nereiden und allerlei Meerwundern. Homunculus läßt sich, vom Eros der