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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 380

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Israel-Homunculus
Date
1919-01-01
Page
380 (sequence 3)
Language
German
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38o Emil Levy: Jeder möge durch die Feuer Versuchen sich sein eigen Abenteuer. Dann, um uns wieder zu vereinen, Laß deine Leuchte, Kleiner, tönend scheinen. Homunculus: So soll es blitzen, soll es klingen. (Das Glas dröhnt und leuchtet gewaltig) So weit die eine Seite von Homunculus' Art und Wesen. Die andere, die tragische Sehnsucht, den Konflikt und seine Lösung, werden wir später kennen lernen. — Wir haben wohl nicht nötig, ausführlich darzustellen, in welchem Maße Israel von der Zeit an, da es aus der heimischen Muttererde losgerissen wurde, eine Homunculusexistenz führen muß. Statt des Urbodens, der ein elementares Volk elementar ernährt und ihm ein organisches Wachstum gewährleistet, ist es die Phiole, in der das Judentum als bewegliche Geisteskraft eingeschlossen ist. Eine sorgsam beobachtete Tradition hat um das Licht des außerordentlichen jüdischen Intellektes die gläsernen Wände gefügt, die es vor dem Auslöschen bewahren. Und ein wunderbares geistiges Innenleben führt Israel in seiner Glaskapsel, die ihre eigenen Gesetze hat und freischwebend sich erhält, vorausgesetzt, daß man das Glas nicht zersprengt, den Guß der Tradition nicht gewaltsam zertrümmert. Aber Israel-Homunculus ist in seiner Phiole ruhlos und heimatlos. Das nicht natürliche Gebilde ist von dem unsteten Drang verzehrt, sich allenthalben umzusehn und zu betätigen, Dolmetsch und Traumdeuter der Völker zu sein. Es leuchtet den Dingen auf den Grund und durchleuchtet sich selber, es vermittelt die verschiedenartigsten Seelenrichtungen und Weltauffassungen, es ist Wegweiser und Pfaderheller, es vermag sich allem anzupassen und jedem zu helfen, nur — sich selber nicht! III. Homunculus hat sich auf den pharsalischen Felden weidlich herumgetrieben, an der Mannigfaltigkeit der Erscheinungen sich berauscht und gesättigt. Bald hier, bald dort war das summende Licht wahrzunehmen, wie es um Blumen und Gesteine, um Menschen und Gespenster strich. Aber je mehr er erhascht und in sich aufnimmt, um so weniger fühlt sich der kleine Mann glücklich. Das Unbefriedigtsein keimt und wächst immer stärker: Was nützt mir das Wissen um das Natürliche und Sinnenfällige, da ich doch selber künstlich und der Natürlichkeit bar bin? Ja, Homunculus beginnt, sich mit sich selber zu beschäftigen. Und er wird in dem Maße zur tragischen Figur, wie er sich selber zum Problem wird. Ich schwebe so von Stell' zu Stelle Und möchte gern im besten Sinn entstehn, Voll Ungeduld mein Glas entzwei zu schlagen . . . Zwei Philosophen bin ich auf der Spur, Ich horchte zu, es hieß: Natur! Natur! Von diesen will ich mich nicht trennen, Sie müssen doch das irdische Wesen kennen. Der alte Thaies, dessen Philosophie das Wasser zum Urstoff allen organischen Werdens macht, nimmt sich des ratlosen Unsteten an. Er führt ihn zu Nereus, dem Vater des Ozeans. Der ist aber nicht gelaunt, sich mit Homunculus zu befassen. Freudigeres steht ihm bevor, er erwartet den Besuch seiner Lieblings-

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