Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 366 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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- hazzan 2× ep/1004827
- Mohel 1× ep/1006163
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366 Samuel Rappaport: Aus dem religiösen Leben der Ostjuden sagen" zur stehenden Einrichtung ausgebildet. Schöne, anläßlich eines „Schalosch Seudot" oder sonstigen Mahles beim Torahsagen entwickelte Gedanken werden mitunter von manchen aufmerksamen Hörern aufgezeichnet und verbreitet. Wenn jemand im Osten von einem „Schalosch Seudot", Hochzeits- oder Beschneidungsmahl u. dgl., bei denen ein Zaddik, Rabbiner oder sonstiger angesehener Lamdan zugegen war, kommt, fragt man immer, ob „schöne Torah" gesagt wurde, und wünscht etwas davon mitgeteilt zu bekommen; vorausgesetzt, daß man vom Berichterstatter vermuten darf, er sei imstande, „Torah" zu reproduzieren. Ein Festmahl und besonders eine „Seudat Mizwah", wie z. B. das nach der Beschneidung veranstaltete Festmahl es ist, wäre im frommen Osten, ohne daß „Torahsagen" dabei stattfindet, fast gar nicht denkbar und würde langweilig, inhaltslos und ünjüdisch erscheinen. Die „Seudat Milah" währt zumeist einige Stunden und bei Chassidim oft sogar den ganzen Tag, wobei es natürlich auch an Gesang nicht fehlt. Während des Mahles sagt der Chasan (Kantor) den Segensspruch („Mischeberach") für alle Anwesenden. Er beginnt mit dem Rabbiner und absolviert dann der Reihe nach jeden gesondert ohne Ausnahme bis zum letzten Mann, wofür er von jedem ein Geldstück bekommt. Mit dem Hersagen des Tischgebetes, mit dessen Einleitung und Vortrag der, speziell für die „Seudat Milah" bestimmten, vorangehenden Verse, der Rabbiner bzw. in dessen Abwesenheit der Sandek beehrt wird, hat das Festmahl seinen Abschluß gefunden. Vor Beendigung des Tischgebetes werden die für das „Seudat Milah"-Mahl eingeschalteten „Harachman" („Der Barmherzige möge" usw.)„ welche Segenssprüche für den Vater, Sandek, Kind, Mohel, sowie die Bitte um baldige Sendung des Messias und ßlijahus^ enthalten, vom „Chasan" oder von. Chasan und Mohel in einer traditionellen Melodie vorgetragen. Die Feier ist nun beendet. Die Gäste beginnen sich auf den Heimweg zu machen unter nochmaligen Wünschen und Segenssprüchen an den Vater und alle Angehörigen. Die Männer bitten den Hausherrn, seiner Frau den „Masel tow" in ihrem Namen zu überbringen, oder sie rufen ihr ihn aus der Ferne» etwa von der Schwelle des Zimmers, in dem sie sich befindet, zu. Die Hebamme bekommt bei der Gelegenheit ihr Badgeld von den anwesenden Frauen bzw. von den Männern, deren Frauen sich zur Feier nicht eingefunden haben. Auch der Sarwer bekommt von den Gästen ein Geldstück in die Hand gedrückt. Da kleinere Kinder in der Regel zu einer Beschneidungsfeier nicht mitgenommen werden, bekommt gewöhnlich jeder Gast vom Vater oder von einer der an diesem Tage die Wirtschaft im Hause leitenden Frauen einige Stückchen Torte und Honigkuchen sowie ein Stück der offiziellen „Reschity" vor dem Nachhausegehen für seine Kinder mitgegeben. Die Reschity gehört zu den nahezu obligaten Spezialitäten, die in vielen Gegenden des Ostens auf keiner „Brit- Milah"-Feier fehlen dürfen. Sie ist ein großer, dünner, aus Zucker und weißem Mehl hartgebackener Kuchen, der netzartig durchlocht und an der Oberfläche mit roter oder blauer Farbe bestrichen und mit einer dünnen Goldschicht bedeckt ist. Die Reschity schickt gewöhnlich der Kwatter; überdies besorgt fast immer der Sarwer noch ein oder einige Exemplare davon, je nach dem zu erwartenden Bedarf, auf Rechnung des Festgebers. Außer Torte und „Lekach" bekommt fast jeder Gast zugleich ein Stück Reschity für seine Kinder und auch für dessen Frau, wenn diese an der Feier nicht teilgenommen hat, mit nach