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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 365

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
365 (sequence 11)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 36S lei Getränke geboten, bei denen jeder dem Vater wie allen übrigen Mitanwesenden ein lautes „Lechaim" unter kräftigem Händedruck zutrinkt Ein gut Teil der Torten und Getränke werden von manchen Gästen aus dem Verwandten- und Bekanntenkreise für den „Seudat Milah"-Tisch als Geschenk bereitgestellt. In manchen Gegenden ist es auch Sitte, daß der „Kwatter" zwei, nach Art der Sabbatbarches hergestellte, große Weißbrote, die sogenannten „Kwatter-Koilitschen" (vom polnischen „Kolacz" geflochtenes längliches Weißbrot) schickt, die dem Sandek bzw. Rabbiner am Festtisch vorgesetzt werden. Die Großeltern beschenken gewöhnlich das Kind mit einem oder mehreren Golddukaten oder sont einem wertvollen Gegenstande. Manch frommer und gelehrter Großvater schenkt seinem Enkelkinde zu dessen Beschneidung ein aus seiner Büchersammlung entnommenes wertvolles Bibelexemplar, damit es einst mit besonderer Andacht daraus lerne. Bei Chassidim schickt mitunter auch der Zaddik dem Kinde außer dem Segen auch irgendeine Gold- oder Silbermünze. Solche Wertgegenstände, die dem Kinde anläßlich seiner Beschneidung geschenkt werden, werden von den Eltern und später auch vom Kinde als teures Angedenken durchs ganze Leben bewahrt und unter keinen Umständen veräußert. Auch die Kwatter beschenken zumeist das Kind. Nachdem alle den süßen Imbiß und Trank zu sich genommen haben, wird das für den Genuß von Brot vorgeschriebene Händewaschen vorgenommen und zum Festmahl geschritten. Die Frauen versammeln sich im Zimmer der Wöchnerin; einige von ihnen, Verwandte, sind in der Küche und anderweitig beider Bedienung behilflich. Die Männer gruppieren sich am Festtisch, obenan der Rabbiner; insofern jedoch jemand anders als,der Rabbiner Sandek gewesen ist, nimmt auch der Sandek seinen Platz neben den Rabbiner obenan ein. Der „Sarwer" sowie Mitglieder des Verwandtenkreises bedienen die Gäste. Es werden Fische, Fleisch sowie allerlei Getränke und sonstige Gerichte in reichem Maße geboten. Damit das Festmahl als solches angesehen werden könne, darf ein Fleischgericht nicht fehlen (Tr. Sabbat 29 A). Mit Milchspeisen, und wenn sie in noch so reichlichem Maße geboten werden, könnte der Vater des Kindes seiner Pflicht, dies Festmahl seinen Gästen zu geben, keineswegs entsprechen. Nur das Fleischgericht vermag ihm erst den Charakter einer aus Anlaß der Beschneidungsfeier veranstalteten „Seudat-Mizwah" zu verleihen. (Machzit Haschekel zu Schulchan Aruch Orach Chaim § 249.) Während des Mahles wird zuerst vom Rabbiner, dann von anderen gelehrten Gästen „Torah meinjanah dejomah", homiletisch aggadische Erklärungen und geistvolle Deutungen aus Bibel, Talmud und Midrasch, die auf den Moment Bezug haben, vorgetragen. Dies „Torah sagen", wie solche ungebundene im gemütlichen Beisammensein gehaltene Vorträge genannt werden, hat bei dieser Gelegenheit stets den Begriff „Bund" (Brit) in seinen verschiedenen Beziehungen zu Gott und zum jüdischen Volke, zum Thema und klingt immer in Wünschen und Segenssprüchen für die Eltern und ihr Kind aus, „daß sie es zur Torah, zur Chuppah und zu guten Werken erziehen mögen". Schon seit altersher ist es im Judentum Brauch, beim gemeinsamen Mahle, selbst wenn bloß drei zusammen sind, gelehrte Unterhaltung zu führen, da dadurch das Sinnliche vergeistigt und die Speisenden dadurch gewissermaßen „vom Tische Gottes genießen" (Abot 3, 3). Im Osten hat sich deswegen bei jedem geselligen Beisammensein und insbesondere bei jedem Festmahle das „Torah

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