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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 364

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
364 (sequence 10)
Language
German
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364 Samuel Rappaport: deinem Blute, da rief ich dir zu: in deinem Blute lebe! da rief ich dir zu: in deinem Blute lebe!" träufelt der Mohel bei Wiederholung der Worte „in deinem Blute lebe!" jedesmal einige Weintropfen in den Mund des Kindes. Nach Beendigung der Segenssprüche durch den Mohel ist der feierliche Beschneidungsakt zu Ende. Das vom Kwatter abgeholte Kind wird, in derselben Weise wie es gekommen, zur Mutter zurückgebracht. Die Versammelten drängen sich an den Vater wie an die nächsten Verwandten, um ihnen „Masel tow!" zu wünschen, wobei immer der Segen zugefügt wird, er möge den Neugeborenen „megadel sein" (erziehen) „letorah lechuppah ulmaasim tobim" (zur Torah, zur Chuppah und zu guten Werken). Ebenso, überbringen die anwesenden Frauen der Mutter ihre Wünsche und Segenssprüche. Den freudigen Abschluß der Feier bildet die besonders festliche „Seudat- Milah", d. i. das Festmahl, das jetzt der Vater seinen Gästen in seinem Hause gibt. Dieses Mahl unterläßt kein jüdischer Vater, wie arm er auch sein mag, freudigen Herzens zu veranstalten, auch wenn er zur Bestreitung der Ausgaben leihen und „sich selbst dabei verpfänden müßte" (Midrasch Tanchumah Abschnitt Chaje Sarah und Tezaweh). Das Mahl wird in der Tradition auch als „Seudat Mizwah", d. h. gebotenes Mahl bezeichnet. Aber nicht nur der Vater hat die Pflicht, dieses Festmahl seinen Gästen zu geben, sondern ebenso sind die Gäste verpflichtet daran teilzunehmen; denn jeder der Gäste, der sich der Teilnahme an diesem Mahl entzieht, wird wie ein vom Himmel Geächteter betrachtet. (RMuh a, a. 0.) Die „Seudat Milah" ist eben nicht bloß eine freudige private Familienangelegenheit, sie ist zugleich ein frohes Geschehen, das die ganze Nation angeht, und wer an ihr teilzunehmen sich weigert, bekundet dadurch, daß er sich in gewisser Hinsicht außerhalb der jüdischen Volksgemeinschaft stellt und dadurch die Ächtung des Himmels verdient Mit Rücksicht auf die Bedeutung des „Seudat Milah" als integrierenden Bestandteils einer jeden Beschneidungsfeier wird letztere in manchen Gegenden schlechtweg mit dem Worte „Seudah" bezeichnet. „Bei X. findet eine ,Seudah* statt" bedeutet dort soviel, als: X. begeht die Beschneidungsfeier seines Sohnes. Die offizielle Einrichtung der „Seudat Milah" als gebotenes Mahl (Seudat Mizwah) gehört einer relativ nicht alten Tradition an und ist quellenmäßig etwa auf das achte Jahrhundert n. Chr. zurückzuführen, doch dürfte sie schon als Brauch seit altersher im Judentum allgemein verbreitet und beliebt gewesen sein*). Die Begründung dieser, später zur Pflicht gemachten Tradition glaubte man in dem Bericht der Bibel gefunden zu haben, wonach Abraham am Tage, an dem Jizchak entwöhnt wurde, ein Festmahl veranstaltet habe (Genesis 21, 8). Im hebräischen Urtext heißt das Wort „entwöhnt": „higgamel". Aus dem Umstände, daß der Zahlenwert der ersten zwei Buchstaben dieses Wortes acht beträgt (H + G 5 + 3 8), wird gefolgert, daß Abraham dieses Festmahl am achten Tage nach der Geburt Jizchaks, d. i. am Tage der Beschneidung veranstaltet habe. (Pirke de Rabbi Elieser Abschnitt 29, siehe auch Tr. Niddah 31 B und Raschi zur Stelle.) Alle beim Beschneidungsakte Anwesenden versammeln sich nun im Hause zur „Seudat Milah". Vorerst wird den Gästen süßes Gebäck, Torte, sowie aller- *) Elischa ben Abuja (Acher) soll die Weisen Jerusalems zur Feier der Beschneidung seines Sohnes geladen haben (Talmud Jeruschalmi Tr. Chagigah 77B), wobei er wahrscheinlich seinen Gästen ein Festmahl geboten haben dürfte.

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