Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 363 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 2× ep/1006163
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 3<53 Mit diesen Worten wird auch nach traditionellem Brauch jedesmal der Stuhl vom Moment, in dem das Kind vor dem Beschneidungsakt auf ihn gelegt wird, für den Propheten geweiht. In vielen Synagogen des Ostens findet man oft solche hochbetagte, mitunter einige hundert Jahre alte Elijahustühle, die zuweilen sehr schönes mit künstlerischem Sinn ausgeführtes Schnitzwerk aufweisen. Sie werden mit Ehrfurcht und heiliger Scheu behandelt und behütet. Kaum wurden Sandek und Kwatter ihr Amt zu übernehmen eingeladen, als alle Anwesenden sich von ihren Plätzen erheben. In tiefem Schweigen wird den Ankommenden entgegengesehen. Im Moment, als der Kwatter, das Kind auf seinen Händen tragend, an der Schwelle sichtbar wird, ertönt diesem ein lautes „Baruch habba!" d. h. gesegnet, wer da kommt, aus dem Munde aller Anwesenden entgegen. Dieser Gruß gilt aber nicht dem Kinde allein, er gilt auch zugleich seinem treuen Begleiter, dem Propheten, der, wenn auch dem irdischen Auge unsichtbar, an der Seite des Kindes, schützend und segnend, einherschreitet. Nachdem der Mohel das Kind vom Kwatter in Empfang genommen und es auf den Stuhl des Propheten hingelegt hat, begrüßt er Elijahu in der nach der Tradition üblichen Weise und bittet ihn, er möge ihm bei der heiligen Handlung hilfreich zur Seite stehen. Nun wird wieder das Kind vom Mohel gehoben und auf die Kniee des Sandek gelegt, der sich inzwischen auf den Elijahustuhl neben dem bereits darauf sitzenden Propheten hingesetzt hat. Mit dem von der Tradition vorgeschriebenen Segensspruch vollzieht der Mohel behend die Beschneidung. Alle Anwesenden umringen den Elijahustuhl. Tiefe Stille herrscht im Räume, während der Mohel seines heiligen Amtes waltet. Mit angehaltenem Atem blicken alle zum Orte hin, wo die Handlung vor sich geht. Einem Priester gleich steht der junge Vater da; „jeder Vater, der sein Kind durch das Bundeszeichen heiligt, gleicht einem Priester, der sein Teuerstes als Ganzopfer am Altare Gottes darbringt" (Sohar Abschnitt Tasria). „Jeder bei der Verleihung des Bundeszeichens vergossene Blutstropfen wird von Engeln gesammelt, vor den Stuhl des Allmächtigen gebracht und dort treu behütet, und so oft der Zorn Gottes die Welt heimsuchen soll, blickt sein Auge auf jenes für ihn vergossene Blut, und sein Grimm wird zu liebevollem Erbarmen verwandelt" (Sohar Abschnitt Pekude). Wieviel Mal auch das jüdische Volk durch Sünde und Abfall den Zorn des Herrn auf sich herabgeschworen hat, „jedesmal, wenn ein jüdischer Vater das Zeichen des heiligen Bundes („ot brit kodesch") seinem Kinde verleiht, versammelt Gott die Himmelsscharen um sich und freudig ruft er ihnen zu: Seht hin, welche Treue im Herzen meiner Kinder wohnt" (Sohar, Abschnitt Lech lechah). Kaum hat der Mohel die Handlung vollzogen, als der Vater laut den Lobspruch sagt, in dem er den Herrn preist, daß er ihm geboten habe, sein Kind *n den Bund Abrahams aufnehmen zu lassen, worauf ihm die Gemeinde den Segen zuruft: „Wer ihn (den neugeborenen Sohn) in den Bund hat aufnehmen lassen, der möge ihn auch zu Torah, Chuppah und guten Werken bringen!" Nachdem alles beendet und der Mohel das Kind verbunden hat, nimmt er den bereitstehenden mit Wein gefüllten Becher in die Hand und sagt die traditionellen Segen, indem er zugleich den Namen bezeichnet, den der Neugeborne »in Israel" tragen soll, von welchem Momente angefangen das Kind schon bei seinem Namen genannt werden kann, was bis nunzu, wie oben schon angeführt, tunlich vermieden werden mußte. Bei Rezitierung der in diesen Segen enthaltenen Prophetenworte: „Und ich ging an dir vorbei und sah dich zappeln in