Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 362 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Mohel 1× ep/1006163
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362 Samuel Rappaport: Klappern die geheime Mitteilung bedeutete, daß in der Gemeinde eine Beschneidungsfeier stattfinde. (Tr. Synhedrin 32 B und die Glosse Raschis zur Stelle). Später jedoch scheint man sich dieses Zeichens, sei es daß es verraten wurde oder daß nicht immer eine Mühle zur Verfügung stand, nicht mehr benutzt zu haben. An dessen Stelle bediente man sich als geheimen Signals, daß in der Gemeinde eine Beschneidung gefeiert wird, der zur ungewöhnlichen Tageszeit, nämlich am Vormittag, hellerleuchteten Synagoge. Der Brauch, am Morgen während der Beschneidungsfeier die Synagoge zu beleuchten, wie die ebenso heute noch übliche Sitte, daß hinter den zur „Chuppah" gehenden Brautleuten brennende Kerzen getragen werden, scheinen denselben, oben angeführten, historischen Hintergrund zu haben. (Schibbale halleket, Editio Buber, Hilchot Milah Abschnitt 7). Zu Zeiten des Mahril (fünfzehntes Jahrhundert), dem übrigens die Erhaltung und Konservierung vieler jüdischen Sitten ujid Bräuche bis auf den heutigen Tag zu verdanken ist, pflegte man in Süddeutschland bei einer Beschneidungsfeier zwölf kleine und eine große Lampe anzuzünden. Da, wie es scheint, der oben erwähnte historische Hintergrund dieser Beleuchtung dem Mahril nicht mehr bekannt war, meinte er, daß die zwölf Flammen die zwölf Stämme Israels symbolisieren. (Sefer Mahril a. a. 0.). Im übrigen ist es auch noch heute in manchen, wenn auch wenigen Gemeinden des Ostens Sitte, daß einige von den Gästen, die das Kind zur Beschneidung geleiten, brennende Kerzen in der Hand tragen. Hart vor Beendigung des Morgengottesdienstes wird zum Beschneidungsakt geschritten. Am Stuhl des Propheten Elijahu harrt der Mohel sowie der Vater des Kindes und der zur Übernahme seiner Ehrenfunktion mit lauter Stimme eingeladene Sandek. Der Stuhl des Elijahu, inmitten der versammelten Gemeinde, steht für den Empfang dieser Gäste hergerichtet und bereit. Der Prophet Elijahu ist seit altersher ständiger Gast einer jeden Beschneidungsfeier. Einst entbrannte er in heftigem, aber heiligem und gerechtem Eifer gegen das Reich Israel, weil es sich Götzen ergeben und den ewigen, mit Gott geschlossenen Bund verlassen hatte (Reges I 19, 10), nun soll er, nach höherem Willen, in alle Ewigkeit Zeuge der unvergänglichen Treue Israels und bei jedem Akte der Erneuerung desselben uralten, noch mit dem Erzvater Abraham geschlossenen Bundes zugegen sein. Der einst gegen Israel geeifert und es des Verrates am Bunde geziehen hat, soll nun dessen Fürsprecher werden und nach jeder Beschneidung die Opferfreudigkeit und ewige Treue Israels vor Gott bezeugen. (Pirke de Rabbi Elieser 29, Sohar Abschnitt Breschit). Die Tradition verlangt, daß bei jeder Beschneidung ein Stuhl für Elijahu bereitgestellt und ausdrücklich als für ihn bestimmt bezeichnet wird. (Sohar ibid. und Abschnitt Lech lecha). Elijahu wird auch seit altersher Engel des Bundes" („Malach habrit") genannt. Der „Kiseh schel Elijahu" d. h. der Elijahustuhl gehört zu den üblichen und notwendigen Einrichtungsgegenständen einer jeden Synagoge. Er hat seinen Ehrenplatz hoch auf dem „Almemor" inmitten der Synagoge und steht zur Seite des „Schulchan" d. i. des Tisches, an dem aus der Torah vorgelesen wird. So ein Elijahustuhl unterscheidet sich von den anderen Bethaussitzen dadurch, daß er ganz frei steht, ist besonders schön ausgestattet, gut gepolstert und hat vorn an der Rückenlehne die, zumeist mit silbergewirkten Buchstaben angebrachte, Inschrift: „Seh hakkiseh schel Elijahu hannabi sachor latob" (Dies ist der Stuhl des Propheten Elijahu, er sei zum Guten gedacht).