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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 361

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
361 (sequence 7)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden bis es in derselben Reihenfolge wie früher, zur Mutter zurückkommt. Auch diejenigen, die neben den Kwattern das Kind zur Beschneidung und nach ihr tragen, werden von den Eltern genau bestimmt und vom „Sarwer" zur Übernahme des Kindes aufgefordert. Die Männer haben, während sie das Kind tragen, den Talit an, da alle diese Funktionen als gottesdienstliche betrachtet werden, bei denen der Talit obligat ist. Der Sandek wie der männliche Kwatter werden vom Kantor oder Sarwer mit dem lauten Rufe: „Reb X. is mechubed mit Sandek" bzw. „mit Kwatter" (d. h. R. X. ist mit der Sandekfunktion bzw. mit der Kwatterschaft beehrt), in ihre Ehrenfunktion zu treten eingeladen. Zwischen dem Sandek bzw. Kwatter und dem Kinde bleiben für immer herzliche Beziehungen. Ist das Kind gut und wohl geraten, dann tun sich Sandek und Kwatter darauf nicht wenig zu gute, da sie als gewesene Ehrenfunktionäre^ bei dessen Beschneidung dadurch zu dessen Vorzügen beigetragen zu haben meinen. Der Kwatter liebt zumeist sein „Kwatterkind" und ist besonders stolz, wenn er es loben hört. Die Kwatter beschenken fast immer ihr „Kwatterkind"; seltener jedoch der Sandek, da diese besondere Ehrenfunktion zu allermeist der Rabbiner inne hat, der zu schenken fast nie in der Lage ist und gewöhnlich noch vom Vater des Kindes beschenkt wird. Die Beschneidung findet, wie seit altersher im Judentum, so auch heute noch im Osten, fast ausschließlich in der Synagoge statt. In größeren Städten jedoch, wo die Entfernung vom Hause in die Synagoge mitunter groß ist und andere Umstände es geboten erscheinen lassen, wird mitunter die Beschneidung, insofern die Räumlichkeiten es gestatten, zu Hause veranstaltet. Die Gäste werden in größeren Städten durch schriftliche oder gedruckte Einladungen, die der „Sarwer" austrägt, von der Feier verständigt. In kleineren Städten überbringt der Sarwer die Einladungen mündlich, oder es erübrigt sich dies hier, namentlich in ganz kleinen Ortschaften, überhaupt von selbst, da ohnehin die ganze Gemeinde sich als eingeladen betrachtet und zur Feier kommt. Die Tätigkeit des „Sarwer" bei einer „Brit Milah"-Feier ist der auf einer Hochzeit ähnlich. Er hilft beim Kochen und Zubereiten der Fische, besorgt die zum Festmahle nötigen Gebrauchsgegenstände wie Eßbestecke, Geschirr, Tische, Bänke, bedient die versammelten Gäste, wie er überhaupt bei allen für diesen Tag erforderlichen Arbeiten und Vorbereitungen behilflich ist. Am Morgen, zum Gottesdienste, versammeln sich die Gäste in der Synagoge bzw. im Hause, wenn die Beschneidung dort stattfindet. Die meisten tragen Sabbatkleidung. In Galizien trägt auch der „Baal Brit" (der Herr des Bundesfestes) d. h. der Vater event. auch der Großvater des Kindes die Sabbatmütze, das sog. „Streämel". Die Synagoge wird beleuchtet. (Glosse des Sifte Kohen zu Schulchan Aruch, Joreh Deah a. a. 0.) Findet die Beschneidung zu Hause statt, dann brennen Kerzen in den Sabbatleuchtern am Tische. Der Brauch, die Synagoge während der Beschneidungsfeier zu beleuchten, scheint eine Reminiszenz aus einer alten und sehr schweren Epoche des jüdischen Volkes zu sein. Zur Zeit der grausamen römischen Verfolgungen der Juden in Palästina nämlich war es diesen unter Androhung verboten, ihre Kinder zu beschneiden. Da aber jede Familie, wenn sie einen Sohn bekommen hatte, zu dieser Feier Gäste versammelt sehen wollte und eine allgemeine Verständigung mit Todesgefahr verbunden war, wurde eine Mühle in Bewegung gesetzt, deren

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