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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 352

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Die allgemein europäische und die jüdische Kulturtradition als geistige Voraussetzungen eines Sozialismus
Date
1919-01-01
Page
352 (sequence 10)
Language
German
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352 Abraham Schwadron: soluten Inhaltswerte, sondern über ihre wechselseitigen Beziehungen zum jüdischen Kulturgeiste einerseits und zur zionistischen beziehungsweise poale-zionistischen Ideologie andererseits. Ich konstatiere nur, daß der wohl nicht in der Theorie, aber in der Praxis wütige Kampf der Poale-Zion gegen Hebräisch in einem höheren Sinne unzweckmäßig ist und daß dies ein auch dem Sozialismus schädlicher Kampf gegen den Geist der jüdischen, wahrhaft schöpferischen, sozialen Kulturtradition bedeutet. Was im Volke, auch in der Masse, nach einem jüdischen Pol sich richtet, ist heute noch auf Hebräisch als Kulturideal eingestellt. Erst die antitraditionelle Propaganda der Sozialisten seit dem Auftreten des „Bundes" versuchte die Bindung des Volkes an das Hebräische durch das kampfgerichtete, intransigente Unterstreichen des Jiddischen, als des Massemäßigen und Weltlichen, zu lösen und eine Abneigung gegen das Hebräische, als das angeblich Bourgeois-Aristokratische und Klerikale, in den Arbeiterschichten künstlich groß zu züchten. ...----------— — — — Die Poale-Zion müßten zur Einsicht gelangen, daß jüdische Kultur etwas anderes ist und bleiben soll als die in der jetzigen zufälligen Sprache der jüdischen Masse ausgedrückte Variante der sogenannten allgemeinen europäischen Kulturen, die, sagen wir schematisch, als klein a, klein b, klein c usw. ihren Mutterkulturen, der griechischen und der römischen, den groß A und groß B, subordiniert sind. Sondern daß wir eine dem groß A und groß B koordinierte Eigen- und Mutterkultur zur Welt gebracht, die bei uns noch weiter auch für die Welt in wirksamer Stärke zu erhalten, der eine als Pflicht, der andere zumindest als nützliche Notwendigkeit ansehen muß. Die Poale-Zion müßten inne werden, daß für diese unsere Menschheits-Kulturkomponente, die ethische, gerade jetzt eine Ära der fruchtbaren Wirkung angebrochen ist, da durch den Sozialismus die ethische Weltwertung zumindest für lange Zeit über die ästhetische zu siegen sich anschickt. Man sagt — sagt zumindest —, durch den Ausgang des Krieges und die Umwälzungen solle jetzt der Geist von Nietzsches Machtideal endgiltig zerstört und das Rechtsideal an seine Stelle treten. Was aber anderes als den jüdischen Geist hat Nietzsche immer und immer als den stärksten Repräsentanten seines Widersachertums angesehen und bezeichnet? Wobei mir die Bemerkung gestattet sein möge, daß ich sonst zu den Gegnern des extremen Antieuropäismus, wie er von manchen unter uns verfochten wird, gehöre, zu den Gegnern der angeblich primären Exklusivität des Geistes des Orients, der den puren, sogenannten absoluten Geist des Judentums einschließe, usw. Weil ich erstens an der Möglichkeit der absoluten Erkenntnis dieses Geistes und seiner für die Verwirklichung unumgänglichen Formulierung zweifle und zweitens die fraglos und bedingungslos zwingende heterogene Verpflichtungskraft jedes Leitgedankens einer Gemeinschaft negiere und einen solchen in erster Reihe nach seinem Vermögen der Fruchtbarkeit beurteile und werte. Ich würde also dementsprechend nicht sagen: Das jüdische Volk muß ohne Rücksicht auf jede Gegeben- und Bezogenheit einzig darum sozialistisch organisiert sein, weil dies seiner Tradition entspricht. . Auch bin ich in diesem Hinblick gegen den Gedanken einer absoluten Auserwähltheit unseres Volkes. (Dies ausführlicher zu erörtern, gehört nicht hierher). Aber ebenso wie ich mich sonst /

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