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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 340

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Chronik
Date
1919-01-01
Page
340 (sequence 4)
Language
German
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340 Nachum Goldmann: Ursachen nachspürt. Warum trieb General Money und seine Verwaltung eine proarabische, antizionistische Politik? Es wäre ungerecht und falsch, darin eine Äußerung geheimer Absicht der englischen Regierung zu sehen. Ich habe die Überzeugung — und die Abberufung Moneys sowie die Weisung an die neue Verwaltung bestätigt es —, daß die englische Zentralregierung durchaus loyal ist und den besten Willen hat, das Balfoursche Versprechen zu erfüllen. Man darf dies schon auf Grund der prinzipiellen Methoden der englischen Weltpolitik annehmen. Offizielle Versprechen pflegt England nicht zu brechen. Diese elementare Ehrlichkeit ist für die englische Politik schon ein Gebot der Klugheit (sie sollte es für jede sein). Und die großzügige, vornehme Geste in der Einlösung eines gegebenen Wortes ist eine der ältesten, sympathischsten und weisesten Traditionen der englischen Politik. Es besteht auch kein Grund anzunehmen, General Money und seine Beamten seien Antisemiten gewesen. Englische Politiker sind zu sehr diszipliniert und zuchtvoll, um sich von solchen persönlichen Sympathien und Antipathien leiten zu lassen. Außerdem kannte General Money wohl die Richtlinien der englischen Palästinapolitik und ist wohl nicht ins Land gegangen, um sie zu durchkreuzen. Nach allem, was man über die Motive seiner Politik hört, — und die Logik der Verhältnisse spricht dafür, — war es die Rücksicht auf die Araber, die ihn zu seiner Politik veranlaßt hat. Und hier liegt der Kern der Dinge, das sehr wichtige, für mein Gefühl wichtigste Problem der Palästinafrage, sofern man sie weltpolitisch betrachtet: in der Araberfrage, klarer gesagt: in der Gegnerschaft der Araber. Seien wir auch hier ehrlich und täuschen wir uns selbst nicht. Uns ist bisher in der Araberfrage jeder Erfolg versagt geblieben, Die Araber sind unsere Gegner gewesen; sie sind es geblieben. Bedarf es der Beweise für diese Behauptung? Die eine Tatsache genügt: daß im Sommer die Araber in Jerusalem einen Kongreß abhielten, der die Forderung erhob, der Name Palästina als Landesbezeichnung sei zu beseitigen und das Land müsse, mit Syrien vereinigt, dem arabischen Reiche eingegliedert werden. Diese Forderung charakterisiert die Stimmung. Wird man den Emir Faisul und seine judenfreundlichen Erklärungen als Gegenbeweis zitieren? Man wird es wohl nicht tun, nicht mehr tun, nachdem der Emir seinen verklausulierten prozionistischen Erklärungen sehr viel deutlichere antizionistische hat folgen lassen und sich zudem die Bedeutung und Selbständigkeit des Emir als geringer erwiesen hat, als man es ursprünglich wohl angenommen hatte. Es bleibt also als Fazit unserer Politik in der Araberfrage die einmütige Gegnerschaft der Araber gegen unsere Bestrebungen. Dies hat den General Money zu seiner Politik veranlaßt. Er war der Chef einer Militärverwaltung. Oberste Aufgabe seiner Verwaltung war, die Ruhe im Lande zu wahren. Er hatte vor sich etwa 500000 Araber gegen etwa 80000 Juden. Was war für ihn natürlicher, als daß er seine Politik von der Rücksicht auf diese arabische Majorität diktieren ließ? Und weil hier die Ursache seiner antizionistischen Politik liegt, kann ich auch für die Zukunft nur skeptisch sein. Gewiß, die englische Regierung ist loyal und meint es ehrlich; die neuen Militärs, die Palästina verwalten, sind auch gewiß loyal und zionistenfreundlich. Aber auch sie werden vor derselben Situation stehen. Auch sie werden auf die Araber Rücksicht nehmen müssen. Und werden bei einer jeden prozionistischen Maßnahme durch die arabische Gegnerschaft gehemmt sein. Oder glaubt man, sie könnten, sie würden mit Gewalt, durch Befehl und militärische Macht-

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