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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 8 · p. 339

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 8
Article
Chronik
Date
1919-01-01
Page
339 (sequence 3)
Language
German
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Chronik 339 neben dem Emir Faisul und dem General Allenby, neben der syrischen Bewegung und dem Panarabismus noch ein anderes, wichtigstes Objekt gibt, ohne das alle ihre Politik Seifenblase ist: das jüdische Volk; und muß sie ersuchen, für eine Weile ihren Blick auch auf dieses bescheidene, fiebernde und glaubende, leidende und vertrauende Volk zu richten, dessen Sachwalter sie ja nur schließlich sind. Klingen die Worte zu scharf? Sie können nicht scharf genug sein. Denn es geht um die wichtigste Angelegenheit des jüdischen Volkes, um die Unversehrtheit und innere Festigkeit seiner Seele, deren es gegenwärtig, von schlimmeren Feinden bedroht als je zuvor, dringender bedarf als je. Man darf es auf die Dauer nicht zulassen, daß man die jüdische Masse den gefährlichen Exaltationen von Jubel und Enttäuschung, von inbrünstigem Glauben und zermürbender Verzweiflung aussetzt* Es darf nicht gestattet werden, daß solche diplo^ matische Volksführung, die nichts vom Volke und seiner seelischen Verfassung ahnt, nachdem sie mächtigere Völker als das unsere zugrunde gerichtet hat, auch das unsere in den Kreis ihrer vernichtenden Wirkung zieht. Es wäre die furchtbarste Ironie der Geschichte, wenn unser Volk, das zweitausend Jahre hindurch fern aller Diplomatie war und nur als deren Objekt zu leiden hatte, heute, da Europa den Bankrott seiner Diplomatie erlebt, beginnen wollte, durch eigene Diplomatisiererei in den Strudel dieses Bankrotts hineingezogen zu werden. Es darf in der Haltung unserer Führer zum Volke keine diplomatischen Methoden mehr geben; man sage ihm, wie die Dinge liegen. Es will; wissen, woran es ist Und will nicht länger mehr das Rätselspiel: Wie steht's, um Palästina? fortsetzen. Wie steht es in der Tat um Palästina? Da die Leitung schweigt — besser hat keine diplomatische Kanzlei irgend eines Volkes im Weltkriege geschwiegen —, so muß man selbst versuchen, auf Grund zerstreuter Mitteilungen, privater Informationen und eigener Beurteilung der Probleme sich ein Bild der Lage zu formen. Es ist bekannt, daß die englische Militärverwaltung des General Money der palästinensischen Judenheit, die die Engländer als die Befreier vom türkischen Drucke jubelnd begrüßt hat, eine arge Enttäuschung bereitet hat. Es ist nicht nötig, hier all die Einzelheiten aufzuzählen, die diese Enttäuschung erklären; um alles in einem zu sagen: der Kurs der englischen Verwaltung war proarabisch, antizionistisch, fast könnte man sagen: antijüdisch. Es ist weiterhin bekannt, daß es der zionistischen Leitung gelungen ist, mit ihren Beschwerden über diesen Kurs durchzudringen. Das englische Foreign Office hat die Behörden in Palästina angewiesen, in ihrer Verwaltung mit der Tatsache zu rechnen, daß Palästina eine jüdische Heimstätte werden soll (auch bevor noch der Völkerbund offiziell England das Mandat mit dieser Weisung übertragen hat); daß General Money und andere führende Militärs abberufen und durch neue, zionistenfreundliche Männer ersetzt worden sind. Man darf hoffen, daß nunmehr eine Besserung der Lage im Lande eintreten wird. All dies ist außerordentlich interessant und bedeutsam. Nicht so sehr wegen der unmittelbaren Wirkung. Daß ein General zeitweilig antizionistisch gestimmt war und antizionistische Politik gemacht hat, ist unerheblich. Nachdem er abgerufen worden ist, wäre dies nur eine Episode, die ohne nachwirkende Folgen bliebe. Bedeutsam wird das Ganze erst, wenn man den zugrunde liegenden 22*

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