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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Arbeiterliteratur in Palästina
Date
1919-01-01
Page
328 (sequence 3)
Language
German
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328 Hugo Bergmann: in Palästina auf die Entwicklung der hebräischen Sprache untersucht: In den großen Pflanzungskolonien, wo die Arbeit von Arabern besorgt wird, bezeichnet man fast alle technischen Ausdrücke durch Fremdworte. Die Großkolonisten, die selbst nicht arbeiten, haben auch kein schöpferisches Verhältnis zur Arbeit und ihren Werkzeugen. Die Araber drücken selbst der Sprache der Kolonie ihr Siegel auf. Anders sind die Verhältnisse in den jüdischen Arbeitergruppen. Dort ist der Arbeiter mit der Arbeit organisch verbunden und benennt seine Werkzeuge in seiner hebräischen Sprache. Die Befreiung des Arbeiters hat auch die Befreiung seiner sprachlichen Schöpferkräfte zur Folge. Dieselbe Erscheinung bemerkt man in den Städten. Die jüdische Nähterin, die in einem Privatbetrieb angestellt ist, bezeichnet ihre Werkzeuge in fremder Sprache. Die Nähterin in einer Genossenschaft, wo 50 — 60 Mädchen zusammenarbeiten, findet die notwendigen hebräischen Ausdrücke. Es ist nur eine Fortführung dieser Beobachtungen, wenn Feller darauf hinweist, welche Bedeutung für die Verbreitung einer guten hebräischen Sprache auf dem Markte die Konsumvereine haben werden, welche den Verbraucher in möglichst direkte Verbindung mit dem Erzeuger bringen. Und nun noch ein Artikel, der von dem sprachlichen Schöpferwillen der Arbeiter Zeugnis ablegt. Im Sammelbuch „Achduth haawoda", das die gleichnamige Arbeiter-Organisation vor einigen Wochen herausgab, beginnt Jabnieli eine Studie über die Hebraisierung des Volkes mit einer recht pessimistischen Darstellung der hebräischen Position in Palästina. Die Zahl der hebräisch Sprechenden unter den Erwachsenen (also außer den etwa 13.000 Schulkindern), beträgt gegen 3000. Hebräisch ist noch nicht die Sprache« des Handwerkers, des Marktes, der Synagoge; es ist Sprache der Intelligenz und der Arbeiter. Jabnieli bringt die Hebraisierung Palästinas in innigsten Zusammenhang mit der Hebraisierung der Galuth. Wenn in der Galuth mit derselben Hingegebenheit für die hebräische Sprache gearbeitet werden würde wie in Palästina, so könnten wir auch dort zu ganz anderen Resultaten gelangen. Von diesen Erwägungen ausgehend, entwirft Jabnieli ein großzügiges Programm zur vollständigen Hebraisierung der Galuth. Dies wird aus allen Betrachtungen klar: Der palästinensische Arbeiter hat ein ganz anderes Verhältnis zur Sprache als wir alle; sie ist ihm nicht Liebhaberei, sondern ernstes Lebensbedürfniss. So schafft erst die Arbeiterbewegung den Typus eines hebräischen Lesers, denn bisher hatten wir keine hebräischen Leser. (Dies zeigt sehr gut G. Chanoch in dem 5. Heft des von den Hapoel hazair herausgegebenen Sammelbuchs „Haarez wehaawoda"). Wir haben Leser und wir haben Hebräer, aber keine Menschen, welche in der hebräischen Literatur eine ernste Befriedigung ihrer geistigen Bedürfnisse suchen. Der wirkliche hebräische Leser entsteht erst in Palästina, und er wartet erst wieder auf den wirklichen hebräischen Schriftsteller, der nicht in fremder Atmosphäre lebt und sie voraussetzt, sondern ganz in der hebräischen Luft erzogen ist und lebt. Dieser Schöpfergeist, von dem ich sprach, betätigt sich natürlich in erster Reihe in der Landwirtschaft. Berl Katzenelsohn berichtete auf der siebenten Arbeiterkonferenz im Frühjahr 1918: „Überall finden wir in Palästina den einsamen Arbeiter, der grübelt und neuen Wegen zur Hebung der Arbeit nachsinnt. Der eine versucht eine neue Pflanze zu akklimatisieren, ein anderer, ein neues Gerät zu erfinden, der dritte, eine neue Arbeitsart oder Wirtschaftsweise

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