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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 319

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
319 (sequence 14)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 319 Der Brauch, bei der Benennung eines Kindes, streng darauf zu sehen, daß der Verstorbene, dessen Namen es bekommt, kein böser oder sonst verrufener Mensch gewesen ist, da mit dem Namen eines solchen Menschen auch schlechte Eigenschaften auf das Kind übertragen werden können, ist im Judentum schon ziemlich alt. (Tr. Jomah 38 B, Ausspruch des R. Eleasar und die Glosse Raschis zur Stelle. Midrasch Tanchumah, Abschriitt Haasinu usw.). R. Meir vermochte sogar aus dem Namen als solchem auf den Charakter seines Trägers zu schließen. (Tr. Jomah 38 B. Midrasch Breschit Rabbah 42). Neben der Benennung des Kindes nach Eltern und sonstigen Verwandten ist im Osten auch die Verleihung von Namen, vorzüglich nicht lange vor der Geburt des Kindes verstorbener berühmter Männer, wie Rabbiner, bedeutender Talmudgelehrter, Zaddikim, an neugeborene Kinder üblich, auch wenn jene in gar keinem Verwandtschaftsverhältnisse zur betreffenden Familie gestanden haben. Insbesondere bei Chassidim ist dies allgemein Sitte. Stirbt ein berühmter Zaddik, Rabbiner oder sonst welche Persönlichkeit, dann werden im Kreise seiner Anhänger sehr viele Kinder nach dem verehrten Toten benannt. Neben der Ehrerbietung gegen den Verstorbenen ist hier auch die Hoffnung mitbestimmend, daß mit dem Namen womöglich auch ein Strahl dieser Sonne d. h. ein Nizuz von dieser großen Seele auf das Kind hinüberspringen und seinen Geist und sein Gemüt beleuchten werde. Manchmal, wenn auch sehr selten, kommt es auch unter Chassidim vor„ daß ein Zaddik durch irgend welche geheime kabbalistische Erwägungen sich veranlaßt sieht, seinen Anhängern den Auftrag zu erteilen, sämtlichen ihnen in einem Zeitabschnitt geborenen Kindern einen bestimmten Namen zu geben. So z. B. hat im Jahre 5632 (1871/72) der Zaddik aus Dembica seinen Chassidim ohne Angabe von Gründen anbefohlen, sämtlichen ihnen in diesem Jahre geborenen Knaben den Namen Benzion zu verleihen. Mit diesem Wunsche wandte er sich damals nicht allein an seine Anhänger, sondern auch an alle anderen Chassidim in seiner Gegend, von denen er Kunde erhalten, daß sie Söhne bekommen hatten, selbst wenn sie nicht zu seinem Kreise gehörten. Aus Achtung vor seiner Persönlichkeit wie nicht minder aus Scheu und Furcht fügten sich alle, auch die, welche zu seinem Anhange nicht gehörten, diesem seinem Wunsche. Wo jedoch ein Name aus Familienrücksichten wie etwa auf einen verstorbenen Vater oder Mutter nicht umgangen werden konnte, fügte man ihm einfach den Namen Benzion hinzu. Eine ziemlich große Schar im Kreise Rzeszow-Dembica-Tarnow in jenem Jahre geborner Knaben erhielt auf diese Weise den Namen Benzion, und so ist dieser sonst nicht häufig vorkommende Name in dieser Gegend bis auf den heutigen Tag ziemlich oft zu hören. Die Motive, die den Zaddik zu dieser sonderbaren Aktion bewogen haben mochten, und welches Ziel er dabei im Auge hatte, hat kein Mensch je erfahren, und er hat sein Geheimnis mit sich ins Grab genommen. Der von ihm mit solcher Energie verbreitete Namen Benzion bezeugt seinem Inhalte nach, daß geheime kabbalistischrciessianische Motive hier mitbestimmend waren. In gewissen Fällen wird auch in Bezug auf die Bedeutung des Tages, an dem das Kind zur Welt kommt oder an dem die'Beschneidung stattfindet, ein besonderer Name geweiht, der dem betreffenden Umstand entspricht. So z. B. erhält das Kind, eventuell neben einem anderen aus dem Kreise der Familie gewählten Namen, den Namen Mordchai bezw. Ester oder Menachem (der Tröster)

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