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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 313

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
313 (sequence 8)
Language
German
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Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 313 verjüngt zu sehen, bildet sehr oft der vererbte Name eine Art genealogisches Familiendokument gleichsam Adelsdiplom vieler Familien. Alle Familien, die ihre Abkunft von irgend einem berühmten Ahnen ableiten, achten ganz besonders darauf, daß dessen Name, oft durch viele Generationen, erhalten und auf diese Weise zur treu behüteten Tradition wird. Dieser Name wird von den Nachkommen jenes großen Vorfahren oft durch Jahrhunderte als Beweis der vornehmen Abstammung des. betreff enden Geschlechtes konsequent fortgeführt. Ein Enkel eines berühmten Mannes in Israel erfreut sich immer besonderer Achtung und Wertschätzung in der Gemeinde. Ein solcher , Jachsan", d. h. ein Sprosse eines edlen Geschlechtes tut sich stets, in jeder Lage, ob arm oder reich, darauf viel zu gute, und seine Herkunft wird besonders bei Verehelichung der Kinder sehr hoch gewertet. Schon der klassische alte Name eines Jachsan bedeutet oft ein Stück eines genealogischen Stammbaums eines gelehrten Geschlechts und wirkt auf die Umgebung wie ein Zauber. Dieser stolze Hinweis auf bedeutende Ahnen und die Kontinuität ihrer Namen in der Nachkommenschaft trifft man nicht bloß bei besonders gelehrten und vornehmen Familien. Fast jeder Ostjude, welchem sozialen Stande immer er auch angehöret* mag, weiß stets irgend einen Rabbiner oder sonstigen Gelehrten (Lamdan) in seiner Ahnenreihe zu nennen, dessen Name in seiner Familie vererbt wird. Fragt man einen Mann aus dem Volke, ,,nach wem er heißt", d. h. wessen Namen er eigentlich trägt, dann lautet zumeist die Antwort: „Wie Sie mich sehen, habe ich sehr »schöne* (berühmte) Ahnen; einer derselben war der berühmte Rabbi X, von dem Sie gewiß gehört haben dürften, eben seinen Namen trage ich." Nicht immer jedoch erkennt man an den Enkeln, welcher berühmten Vorfahren Nachkommen sie sind. Bei der großen Anzahl der jüdischen Gemeinden im Osten und dementsprechend fast unzählig vieler Rabbiner, Rabbinatsassesoren (Dajanim) und sonstiger Talmudgelehrter, ist es fast unmöglich, daß nicht jede, auch bloß halbwegs bürgerliche Familie irgend einen Rabbiner oder Lamdan oder sonst einen ausgezeichneten Mann ip. ihrem Ahnensaal finden könnte, dessen Namen sie fortpflanzen und mit Stolz auf ihn hinweisen könnte. Ein solcher Ahne „beschant" (bestrahlt) seine Nachkommen bis in die fernen Generationen, die sich alle in diesem Lichte sonnen. Bei jeder Gelegenheit und insbesondere bei individuellem Beten und Wünschen, berufen sie sich stets auf ihre„S'chut Abot" d. h. auf das Verdienst der Väter, denn„S'chis uwes (S'chut abot) is kein Kattuwes" lautet ein Sprichwort im Osten, d. h. das Verdienst der Ahnen ist nicht gering anzuschlagen. Beruft sich doch jeder Jude in seinen täglichen Gebeten auf die „S'chut" der großen Ahnen des jüdischen Volkes. Spricht man über jemand, der einer vornehmen Familie angehört, dann wird gewöhnlich nebenbei die Bemerkung nie unterlassen: „er ist doch ein »Einikel* (Enkel) des Rabbi X", wobei unter „Einikel" immer die Abstammung überhaupt, ohne Rücksicht auf den Grad der Deszendenz, und wenn auch mehrere Generationen dazwischen liegen, verstanden wird. Spöttisch bemerken manche, insbesondere Mitnagdim, über die Nachkommen berühmter Zaddikim, die Jachsanim seien ohne Vater zur Welt gekommen, da sie zumeist als Enkel unter Berufung auf irgend einen Vorfahren und nicht als Kinder ihrer Väter bezeichnet werden. Was von den Männernamen, gilt auch von den Namen der Frauen. Auch die Namen der Ehegattinnen berühmter und gelehrter Männer wie auch die Namen durch ihre Frömmigkeit und ihr Wohltun bekannter Frauen werden in

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