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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 310

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
310 (sequence 5)
Language
German
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3io Samuel Rappaport: „Schraga" d. h. (aramäisch) Licht. Wer Feiwisch im gewöhnlichen Leben genannt wird, der wird zur Torah usw* mit „Schraga" gerufen. Dem Ostjuden ist es in erster Linie, trotz seiner Anhänglichkeit auch an die fremden nichthebräischen oder hergebrachten Namen darum zu tun, daß der offizielle Name ein hebräischer und womöglich ein traditioneller sei. Nur ein solcher wird von ihm als eines rechten Juden eigentlicher Name anerkannt. Die griechischen Namen Alexander*), Kalonymos, Teodforos (Todros) haben mit der Zeit traditionellen Charakter angenommen, sie gelten beim Volke als hebräisch und genießen noch heute im Osten die Wertung eines echten „schem hakkodesch". Aber nicht allein die hebräisch-traditionellen Namen, auch die nichtjüdischen oder hergebrachten Namen müssen beim Ostjuden jüdisch sein, damit er sie, ohne seine „Jüdischkeit" zu verleugnen, in der Gesellschaft führen könne. Als „jüdisch" gilt beim Ostjuden der Name, wenn er in der von den Ahnen überlieferten Form erhalten wurde. Jede Veränderung, d. h. Modernisierung bedeutet eine Verstümmelung und Beraubung seines jüdischen Charakters. Von einer „Modernisierung" biblischer Namen wie z. B. Ahron in Artur, Abraham in Adolf, Moses in Moritz usw., wie sie bei der Intelligenz üblich ist, schon gar nicht zu reden, da dies dem wahren Ostjuden ein Greuel ist, aber selbst die Änderung fremder Namen wie z. B. Ber in Bernhard, Wolf in Wilhelm, Hirsch in Heinrich usw. betrachtet er als Entweihung eines jüdischen Namens und setzt dem den größten Widerstand entgegen. Dieselbe Erscheinung tritt auch bei den Frauennamen zu Tage. Zwar sind sämtliche hebräisch - traditionellen Frauennamen im Osten stark verbreitet. Die Tatsache jedoch, daß Frauen zu synagogalen Funktionen nicht herangezogen werden, hat, wie bereits erwähnt, schon im Mittelalter der Verbreitung vieler fremder Frauennamen unter den Jüdinnen großen Vorschub geleistet. Diese Namen haben sich zum großen Teil im Osten erhalten. Zwar tragen hier die allermeisten Frauen neben dem fremden auch einen hebräisch traditionellen Namen. Doch kommen auch hier, ebenso wie im Mittelalter nicht selten Fälle vor, was bei einem Manne ganz unmöglich ist, daß so manche Frau nur einen einzigen Namen und zwar einen fremden hat, woran nicht der geringste Anstand genommen wird, da dieser fremde Name, wenn nur in seiner alten hergebrachten Form erhalten, als gutjüdisch betrachtet wird. Gleich den fremden Männernamen unterlagen auch die fremden Frauennamen in Anpassung an die jüdische Mundart manchen Veränderungen in Form und Aussprache und erhielten dadurch sozusagen jüdisches Kolorit. So mancher während des Mittelalters im nichtjüdischen Westen stark verbreitete Frauenname, dort längst außer Gebrauch und unbekannt, lebt heute als gutjüdisch im Osten fort. Sie werden aber, wie gesagt, nur so lange als gutjüdisch betrachtet, solange sie in der im Osten gebräuchlichen Form erhalten sind; hingegen werden sie sofort als fremd und unjüdisch verworfen, sobald man es unternimmt, sie auf die ursprüngliche Form zurückzuführen oder sie irgendwie zu moderni- *) Nach einer augenscheinlich erst im Mittelalter entstandenen Sage sollen zur Erinnerung an den Besuch Alexanders des Großen in Jerusalem alle in diesem Jahr in Palästina geborenen Knaben über Anordnung des Hohepriesters den Namen Alexander erhalten haben (Josippon II 17), daher die Aufnahme und Verbreitung des fremden Namens unter den Juden» Zu dieser haben jedenfalls die wunderbaren Legenden, die der Talmud von Alexander zu erzählen weiß, nicht wenig beigetragen.

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