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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
308 (sequence 3)
Language
German
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3o8 Samuel Rappaport: afier fremde, aus Griechenland, Babylonien usw. stammende Namen, die uns aus dem Talmud und der gaonäischen Zeit geläufig sind wie z. B. Symmachos, Antigonos, Hunnah, Seira, Abaje, Pappa, Aschi, Hai, Scherirah usw., die berühmte Männer im Judentum getragen, werden nicht mehr fortgepflanzt. An ihre Stelle kamen rein biblische und aus dem Talmud bekannte rein hebräische wie Meir, Simchah oder aramäisch gefärbte hebräische Namen so z. B. Akibah, Chaninah usw. zu allgemeiner Verwendung,- durch welche der Namenschatz der Juden keine geringe Bereicherung erfuhr. Wenngleich die hebräisch-traditionellen Namen in die ihnen gebührenden Rechte eingesetzt und im jüdischen Volke liebevolle Aufnahme gefunden haben, konnte der Brauch, fremde Namen in Anwendung zu bringen, nicht ganz aus der Welt geschafft werden. Allzu stark war die Macht der Gewohnheit und noch mehr der Einfluß der nichtjüdischen Umgebung, als daß dies ganz radikal hätte beseitigt werden können. In den Ländern des Abendlandes wie Spanien, Frankreich und ganz besonders Deutschland begannen vorzüglich infolge des lebhaften Verkehrs mit der nichtjüdischen Bevölkerung landesübliche Namen unter den Juden Eingang zu finden. Da mit dieser Tatsache wohl oder übel gerechnet werden mußte und somit die Gefahr der Verdrängung der hebräischen Namen bestand, andererseits aber auch die jüdische Bevölkerung auf die ererbten hebräischen Namen nicht zu verzichten gedachte, nahm man zu einem Kompromiß Zuflucht, indem man es als allgemeinen Brauch einführte, daß ausnahmslos jeder Jude^ gleichviel ob er einen fremden Namen trug oder nicht, unbedingt einen hebräisch-traditionellen Namen, einen sogenannten „schem hakkodesch", haben müsse. Dieser letztere war als der'ausschließliche eigentliche Name des Juden angesehen und gewürdigt. Seine Persönlichkeit konnte bei allen offiziellen bezw. synagogalen und sonstigen religiösen Funktionen einzig durch den „schem hakkodesch" bezeichnet und bestimmt werden. Der fremde Name galt eigentlich nur als ein Rufname, dessen man sich im gesellschaftlichen Verkehr und sonstigem profanen Umgang bediente. In den Memorbüchern (Verzeichnisse der Märtyrer) des Mittelalters, in den Verfasserlisten sowie auf den alten Grabinschriften finden wir fast ausschließlich hebräisch-traditionelle Namen, die allerdings mitunter, wenn auch nicht häufig, von fremden Namen begleitet werden. Ein wenig anders ist es mit den Frauennamen. Wenn auch die hebräisch-traditionellen Frauennamen sich einer großen Beliebtheit erfreuen und starke Verbreitung gefunden haben, so ließ man es, schon mit Rücksicht darauf, daß Frauen zu synagogalen Funktionen nicht herangezogen werden, ruhig gewähren, wenn sie zuweilen ausschließlich einen fremden Namen hatten. Diese Verhältnisse und diese Auffassung bezüglich der jüdischen Namen haben die Juden auf ihren Wanderungen mit nach dem Osten gebracht. Hier jedoch unterlagen jene angesichts der andersartigen Sachlage und der vom Westen gründlich verschiedenen sozialen und kulturellen Zustände und Beziehungen der Juden zu ihrer nichtjüdischen Umgebung einer gründlichen Veränderung. Die Verschiedenartigkeit der Umgangssprache, der Kultur und der gesellschaftlichen Struktur der nichtjüdischen Bevölkerung im slavischen Osten haben für die Juden ganz andersartige Verhältnisse geschaffen, grundverschieden von denen, die zwischen Juden und Nichtjuden i;m Westen geherrscht haben. Die Juden waren hier gesellschaftlich wie kulturell vollständig in sich geschlossen und ausschließlich auf einander angewiesen. Auch trugen die auf den ewigen Wanderungen wie die end-

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