Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 307 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101150-3101157-3104598--3412-3104632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden 307 Makkabäer galt wahrscheinlich auch der Assimilation der Namen. Den Griechlingen gegenüber, die sich der jüdischen Namen schämten und diese systematisch gegen griechische eintauschten, trugen die Makkabäerhelden Matatjahu und seine fünf Söhne Jochanan, Simeon, Jehuda, Eleasar und Jönatan ostentativ klassische biblische Namen. Seit dieser Zeit etwa begann man im Volke wieder auf die altbiblischen Namen zurückzugreifen, sie zu verbreiten und fortzupflanzen. Es dauerte noch eine geraume Weile, bis die Fremdlinge, wenn auch nicht alle, verdrängt und die alten jüdischen Namen im Volke den ihnen gebührenden Platz finden konnten. Der Kampf gegen die fremden Namen mußte noch Jahrhunderte, wie aus mehreren diesbezüglichen Stellen in der alten talmudisch-agadischen Literatur deutlich zu ersehen ist, mit Energie und Ausdauer geführt werden. Bezeichnend hierfür ist eine Stelle, die, mit manchen kleinen Varianten, von der „Mechilta" (etwa 3. Jahrhundert n. Chr.) bis zu den in der zweiten Hälfte des Mittelalters verfaßten Midraschim, stets eindringlich wiederholt wird. Zu den vier Haupttugenden — heißt es an dieser Stelle — durch welche die Juden in Ägypten sich ganz besonders auszeichneten und durch die sie vor Gott der Erlösung würdig erschienen, gehört auch die Tugend, daß sie ihre jüdischen Namen nicht änderten. „Als Rüben und Simeon kamen sie dorthin und Rüben und Simeon hießen sie auch, als sie von dort zurückgekehrt. Sie änderten ihre Namen nicht, wie etwa Rüben auf Rufus, Jehuda auf Julianus, Josef auf Lestos und Benjamin auf Alexander". Daß wir es hier nicht mit einem gewöhnlichen agadischen Ausspruch, auf den man sonst kein besonderes Gewicht legt, zu tun haben, beweist schon der Umstand, daß wir diese Stelle fast in allen agadisch-midraschischen Quellen immer wieder finden. (Mechilta, Abschnitt Bo 5. Psikta de Rab Kahana, editio Buber, Abschnitt Beschalach. Midrasch Rabbah: Schemot 1, Wajikra 35, Bamidbar 20, Schir haschirim 4. Tanchuma A und Tanchuma B, editio Buber, Abschnitt Balak. Midrasch Schochar tob zu Psalm 114. Pirke de Rabbi Elieser 43 usw.) Bemerkenswert ist diesbezüglich auch eine Stelle im Midrasch Samuel Kapitel 1. Bezugnehmend auf Proverbia 10.7 heißt es da: „Man soll den Namen der Gerechten segnen und dem Namen der Bösen fluchen, wird man nun angesichts dessen jemand sein Kind etwa Pharao, Sissera oder Sancherib benennen? Wie denn sonst? Nicht etwa Abraham, Isaak oder Jakob?" Der Sinn dieses Ausspruchs und die ihm zugrundeliegende Tendenz sind, wenn auch verkleidet, doch nach dem Vorhergesagten klar und unzweideutig. Der Midrasch scheint aus politischen oder sonst anderen zwingenden Gründen hier die nie unter den Juden heimischen Namen Pharao, Sissera und Sancherib, Namen von Feinden des jüdischen Volkes aus uralten vergangenen Zeiten, gewählt zu haben, um auf die, zu seiner Zeit unter den Juden gangbaren, fremden nichtjüdischen Namen hindeuten zu können. Daß in allen diesen Jahrhunderten infolge der Verbreitung und Fortpflanzung fremder Namen unter den Juden in vielen maßgebenden jüdischen Kreisen Unwillen geherrscht hat, darüber kann, wie schon aus den oben erwähnten Quellen zu ersehen ist, nicht der geringste Zweifel obwalten. Der noch in Palästina, etwa um die Makkabäerzeit, gegen die Überhandnähme fremder Namen schwach aufgenommene Kampf wurde in der Folgezeit immer zielbewußter und intensiver fortgesetzt Schrittweise und allmählich sehen wir die traditionell biblischen Namen die Oberhand gewinnen. Berühmte, 20*