Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein mittelalterliches Klagelied
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 285 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein mittelalterliches Klagelied wie deine Güter eingesammelt wurden zum Markte wie eine Verstoßene, und das Gut des Höchsten verbrannten, die du verwirfst, in deine Gemeinde zu kommen. Ich weiß keinen Weg mehr zu finden, die du gebahnet, sind traurig worden, der redliche Pfad deiner Bahn. Meinem Mund soll süßer sein als Honig der Trank der Tränen und mein Fuß gefesselt sein in deinen Banden. Meine Augen sollen gerne schöpfen die Wasser meiner Tränen, bis sie für alle hinreichen, die an dem Saum deines ^Gewandes halten. Aber sie trocknen, da sie über meine Wangen fließen, denn mein Erbarmen ist entbrannt über die Unrast deines Herren. Er nahm sein Silber aus dem Beutel, ging den Weg weit fort, und mit ihm, ach, entflohen deine Schatten. Und ich bin kinderlos und einsam allein ohne sie geblieben wie ein Zeichenmast auf dem Gipfel deiner hohen Berge. Ich höre nicht mehr die Stimme der Sänger und Sängerinnen, denn zersprungen sind die Saiten deiner Harfen. Ich kleide mich und hülle mich in Sack, denn mir sind sehr kostbar und teuer, die zahlreich sind wie Sand, die Seelen deiner Toten. Ich staune sehr über das Licht des Tages, das allen aufgeht, aber Dunkel bringt es mir und dir. Schreie mit bitterer Stimme zum Fels über dein Unglück und dein Leid, vielleicht gedenkt er der Liebe deiner Brautzeit Umgürte dich mit härenem Gewand, denn ein Brand ist aufgeflammt und verdarb deine Höhen. Nach den Tagen deines Leides tröste dich Gott und wende die Gefangenschaft der Stämme Jeschuruns