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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Aus dem religiösen Leben der Ostjuden
Date
1919-01-01
Page
272 (sequence 10)
Language
German
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272 Samuel Rappaport: gen Dawid-Figur*), auf die Schmirezettel zu zeichnen. In diesem Buche wurde auch zum ersten Mal (Ausgabe Amsterdam 1701) die „Magen Dawid"-Figur abgedruckt. In manchen Ausgaben der Schmirezettel findet man auch das „Magen Dawid" von innen und außen mit kabbalistischen Engelsnamen und allerlei Sprüchen ausgefüllt. Zur Popularisierung und Verbreitung der Schmirezettel im Osten hat deren Empfehlung durch den berühmten „Schluh" (R. Jesaia Hurwitz, wirkte Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts, war Rabbiner in Frankfurt a. Main, Prag, Posen, Krakau, starb 1629 in Palästina; Verfasser des allgemein bekannten und hochgeschätzten Werkes „Sehne luchot habrit", nach dessen Anfangsbuchstaben der Verfasser kurzwegs „Sch 1 (u) h" genannt wird) sehr viel beigetragen. Die Schmirezettel bleiben im Zimmer der Wöchnerin, bis diese das Bett verlassen und in der Synagoge oder zu Hause, insofern ein gemeinsamer Gottesdienst (Minjan) daselbst veranstaltet wird, „Keduschah" und „Borchu" (rituelle Hymnen) und aus der Torah lesen gehört hat, bzw. bei einem Knaben bis nach der Beschneidung, da Lilit wie ihr Gefolge infolge dieses heiligen Aktes Wöchnerin und Kind nicht mehr Böses zufügen können. In manchen Gegenden wird seit dem Tage der Geburt bis zur Beschneidung jeden Abend im Hause von einigen Männern auch „Krieschme" geleint**). Trotzdem in den letzten Jahrzehnten der Glaube an die Macht und den Einfluß böser Dämonen in vielen frommen Kreisen sehr viel von seiner früheren Bedeutung eingebüßt und der einst beängstigende Schrecken vor ihnen stark verblaßt ist, sind doch zu allermeist die alten Maßregeln und Formalitäten zu Schutz und Abwehr, teils aus Gewohnheit, teils aus einer fast lieb gewordenen Tradition, im großen und ganzen bei den Massen der frommen ostjüdischen Bevölkerung dieselben geblieben. Eine undefinierbare Scheu erlaubt es zumeist nicht, bei solch heiligem und teurem Geschehen mit uralten, im jüdischen Familienleben tief verankerten fast zur religiösen Tradition gewordenen Bräuchen und Gewohnheiten zu brechen; dies um so weniger, als weder eine innere sittliche noch eine äußere Veranlassung dazu vorhanden erscheint. , Ein freudiger Moment ist es, in dem die Hebamme zum ersten Mal das Kind in die Wiege legt. Das Recht, die Wiege zu schenken, nimmt gewöhnlich die Großmutter, in deren Haus das junge Ehepaar wohnt, für sich in Anspruch. Im Beisein einiger Frauen aus dem engsten Familienkreise wird das Kind von der Hebamme von der Seite der Mutter gehoben und mit den Worten: „in a giter maseldiker schuuh" d. h. in einer guten glücklichen Stunde, in die bereitstehende Wiege gebettet. In demselben Momente streuen die anwesenden Frauen unter allerlei Segen und Wünschen Rosinen und Mandeln auf das Kind und die Wiege. Rosinen und Mandeln sind nach alter Tradition Symbole der *) Über das sogenannte „Magen Dawid" siehe Reifmann: Haschachar I. Jahrgang Seite 435- Zunz, Der Ritus Seite 149. Mitteilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde X Seite 137- Güdemann: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des ''Judentums 1916 Seite 135- Aus Anlass der in neuerer Zeit in Palästina vorgenommenen Ausgrabungen fand man auf Krughenkeln, aus altjüdischer Zeit stammend, Stempel von einer unserem „Magen Dawid" ähnlichen Figur, mit dem Unterschiede jedoch, daß während der sog. „Magen Dawid" sechs Zacken (Hexagramm), diese bloß fünf Zacken (Pentagramm) aufweisen. Siehe Benzinger, Hebräische Archäologie, 2. Aufl., Seite 166. **) Über das „Krieschme" und das „Krieschmeleinen" in der sogenannten „Wachnacht" weiter unten.

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