Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Familie als Element der Gemeinschaft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 225 (sequence 11)
- Language
- German
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Die Familie als Element der Gemeinschaft 22$ In Jisrael braucht dieser Familienbau in seiner ganzen Heiligkeit und aus seinem innigsten Geschlechtssinn und Erbfreude nur geboten werden, die Erfüllung wird in Zijon das Gebot überstrahlen. Ich wage es zu sagen, daß auf der ganzen Welt nicht ein Jude lebt, der der verpflichtenden Macht des liebenden Erbarmens verschlossen wäre. Nicht von jedem Volke kann man dies sagen. Anders als in der engleibigen europäischen Familie steht es in der erweiterten Familie Zijons mit der Erziehung der Kinder. Hier kann diese Frage nur für das allerjüngste Alter und nur prinzipiell erörtert werden, denn der Fachleute Aufgabe wird es sein, die praktischen Durchführungsmethoden für höheres Alter festzulegen. Sicher ist, daß bei der zahlreichen Kinderschar einer erweiterten Familie der bloß gelegentliche elterliche Einfluß allein zur Erziehung nicht ausreicht. Helfend werden da die eingeschlossenen Freunde, namentlich die Mädchen und Mütter beistehen, daß die Kinder aneinander werden und sich nicht aneinander hemmen. Aber dies Aneinander-werden, dies vom Säuglingsalter an mit Gemeinschaftssinn durch die große Zahl der Geschwister Erfülltsein wird dort leichter sein, wenn auch die Beaufsichtigung sich erschwert. Die Beaufsichtigung erschwert sich auch dadurch, daß es sich nicht nur um eigene Kinder handelt. Denn wenn sich das eigene Kind auch recht tüchtig an einer Tischkante anschlägt, so hat dies nichts zu bedeuten, solange und soferne es nicht daran Schaden nimmt. Dahingegen der Schmerz selbst des anvertrauten Kindes nimmt vollen Raum im Gewissen des Erziehers. Aber ich meine, Kinder, die in solcherart erweiterter Familie aufgewachsen, die Geschlechtlichkeit in dieser Auswirkung des Erbtriebs zu allererst kennen gelernt haben, die werden allein dadurch zu Menschen mit erhöhtem Gemeinsinn und Geschlechtssinn erzogen. Und das ist ein Hauptziel der Erziehung, das durch keinerlei Belehrung zu erreichen wäiu. Eine der schwersten Aufgaben der Familiengemeinschaft, also der jüdischen Gemeinschaft in Zijon, ist die Gestaltung des Geschlechtstriebes. Unmöglich ist es, den ost- und alt jüdischen Schidduch zu übertragen und in seiner früheren Form in Zijon zu reproduzieren, denn nur ein Reproduzieren wäre es, und hier geht es wesentlich um Aufbau. Aber dessen eingedenk müssen wir bleiben, daß niit der Ablegung dieses Systems der Geschlechtsauffassung und Verehelichung unsere Verantwortung der Erbgestaltung nur gestiegen ist, nicht aber vernichtet. Es kann nicht Sache des Vorschauenden sein, bestimmte Normen für ein mögliches System der Verehelichung und Geschlechtstriebgestaltung aufzustellen, die einen erschöpfend aufbauenden Charakter trügen, aber Sache der Familiengemeinschaft wird es sein, über diesen Ausbau zu wachen. Nur auf die Auswüchse der Gestaltung, in der wir uns bewegen, aufmerksam machen kann ich an dieser Stelle, um dem kommenden Zijon Ähnliches von vornherein ersparen 2u helfen. Vor allem ist unerläßlich, daß die unreine Verquickung wieder gelöst wird, in der gegenwärtig Ehefähigkeit und ökonomische Reife ver^fuirlt sind. °ie Ehefähigkeit, die wesentlich früher da ist, als ökonomische Selbständigkeit erlangt werden kann, muß der Geschlechtsreife nahe gerückt werden. Dies ist Aufgabe der erweiterten Familie. Es ist dies auch in der Familie dadurch möglich, daß die Entstehung der neuen Familie, wenn es wirtschaftliche Interessen fordern, nicht auch Isogleich zur Bildung einer politischen Familie führen muß. ßas ist aus mehreren Gründen notwendig. Vor allem darum, weil die Familienbegründung nicht nach dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Reife verzögert H*s. 15