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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 5 · p. 226

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 5
Article
Die Familie als Element der Gemeinschaft
Date
1919-01-01
Page
226 (sequence 12)
Language
German
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226 Elijahu Rappeport: Die Familie als Element der Gemeinschaft werden soll. Dann aber ist es notwendig, daß Familie erst im Hause der Eltern des einen oder anderen Teiles wird, ehe man daran denken kann, diese Familie mit allen Pflichten der erweiterten, gemeindeberechtigten Familie zu beladen. Auch wird in der Bewährung der Ehe erst der Kreis der Freunde dieser neuen Familie sich bestimmen lassen. Es ist also öffentliche, das heißt Familienangelegenheit, dafür zu sorgen, daß geschlechtsreife, ehetaugliche Paare eine Ehe begründen können, und keinerlei materielles Hindernis darf der Grund der NichtVerwirklichung oder wesentlichen Verzögerung des Ehewillens sein. Wieweit aber den Familien das Recht zustehen soll, Ehen selbst und vor dem geschlechtsreifen Alter der Eheverbundenen vorherzubestimmen, das wage ich nicht auszusprechen, da mir gleicherweise Gründe für und gegen dieses Recht gegenwärtig sind und hier die Wirklichkeit selbst Baumeisterin sein wird und muß. Aufgabe der Familie wird es auch sein, dem mißleitenden und überschwänglichen Liebeskult, unter dessen Gesichtspunkt bei uns „Modernen" allein die Ehe betrachtet wird, den vollen Sinn für erbgerichtete Wahl entgegenzuhalten, und Kernpunkt der geschlechtlichen Erziehung muß dies bilden. Mißleitend und überschwänglich nenne ich den Liebeskultus darum, weil er buchstäblich zum Kultus geworden ist und nicht allein der natürliche Ausdruck für die Erhabenheit jeglicher Liebesbeziehung. Zudem ist in ihm der Lustrausch des Geschlechtstriebes in übertriebenem Maße als Kriterium der Innigkeit des Zweibundes aufgefaßt, wodurch neben dem Lusttrieb der eigentliche Erbtrieb so sehr in den Hintergrund gedrängt werden kann. Wenn ich nun an letzter Stelle erwähne, daß die Familie eine religiöse Einheit bildet, so geschieht dies nicht, weil ich diesem Umstand geringe Bedeutung beimesse, sondern es geschieht, trotzdem ich ihn am höchsten schätze. Nicht etwa als ein besonderes Letztes will ich dies erwähnen, sondern, daß ich dies zuletzt erst und nur anmerkungsweise sage, hat seinen Grund in der schweren Beredbarkeit dieser Frage. Denn es ist zweifellos eine der schwerwiegendsten Fragen im Aufbau Zijons, wie sich Heidenjuden und Traditionsjuden auf dem Boden der wahren Menschengemeinschaft treffen sollen, damit beide bauend und nicht aneinander messend eingestellt seien. Aber auch da, scheint es mir, wird die Familie die einheitbauende Stätte sein. Dazu aber ist es notwendig, daß die religiöse Einheitlichkeit der Familie und Familiengemeinschaft aus der wahren religiösen Einheit und nicht aus irgendwelcher Vereinheitlichung erwachse. Einheit muß der Ausgang der Vereinheitlichung sein. Die Familie, in der Gott in der Aufnahme und vollen Liebe der Waisen und Verlassenen Raum gefunden hat, wird die erste Stätte der Offenbarung Haschern sein und der Erneuerung seines ungebrochenen Bundes mit den Vätern. Aus ihrer gelebten Gottbezogenheit wird Haschern auch neuerlich offenbar werden in der Gemeinde und der Gemeinde der Gemeinden. Denn „aus dem Munde der Kinder und Säuglinge hat sich Haschern eine Macht errichtet!" Mir ist wohl bewußt, daß nur soweit Haschern in den bauenden Juden Werkmeister sein wird, daß nur so weit Zijons Aufbau Gelingen haben wird. Aber wozu es sagen: Bauet und wisset nicht, wem und wen ihr bauet, Haschern wird sich euch gewaltiglich aus dem Schöße eurer Weiber offenbaren und aus dem Stammeln eurer Waisen und Verlassenen. Wien Elijahu Rappeport

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