Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Familie als Element der Gemeinschaft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 223 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Familie als Element der Gemeinschaft 223, nrn heißt Mutterleib, der Plural davon heißt Erbarmen und ist mit Liebe gleichbedeutend. Dies hat die Sprache aus demselben Gesichtspunkt so gebaut, der mir wesentlich ist für die Sorge und Verantwortung um die Waisen im weitesten Sinne. Die aus dem Segen des Mutterleibes gebaute Familie ist auch aus dem Geist des liebenden Erbarmens gebaut. Erbarmen und Liebe aber kenn» zeichnen sich nicht wie in dem zwecksüchtigen Europa durch den Ansatz des Gefühls, sondern durch ihre Bewährung in Tat. Gottes Segen erfreut nicht allein, er verpflichtet auch. Wem anders und unmittelbarer sind die Waisen übergeben und überantwortet, als den fruchtgesegneten Müttern? Wer sich dieser Verpflichtung abwendet, verdient nicht in die Gemeinschaft Zijon aufgenommen zu werden, denn er wendet sich Gott auf jenem Wege ab, auf dem er ihm geradeaus entgegentritt. Die Menschengemeinschaften, die die Waisenhäuser erfunden haben, sind die wahren Schänder des Menschheitsnamens. Das heißt am tiefsten von Menschlichkeit abfallen, daß man die verlassenen Wesen, die Waisen und Vaterlosen, von sich und aus sich entfernt und sie in Häuser sammelt, die stinken von Mitleid und leer sind bis in ihre äußersten Winket von Liebe und Verantwortung. Gar wo Kinder als Frucht der Sünde des Nächsten empfunden werden (da& allein ist Abfall von Gottes Liebe, seinen Segen und seine Frucht als Frucht der Sünde anzusehen, als könnte Sünde Frucht tragen), wo der geschlechtliche: Lusttrieb deines Nächsten Segen und Frucht in unehelichen Kindern gewonnen^ hat, wo aber der Vater sich des Kindes nicht anzunehmen vermag oder willens ist, wo du. gewohnt bist, allein mit Entrüstung über solch erbvergessenen Vater zu antworten, da liegt die Aufgabe gesegneter Mütter und Väter. Nicht nur die Sorge um die eigenen Kinder, in gleichem Maße die Sorge um alle Kinder der Gemeinde ist den Familien in natürlicher Weise verantwortet. Wer Waisenhäuser in Zijon bauen wird, der wird Zijons Schandmäler errichten, wer Waisenhäuser in Palästina einreißen wird und die Kinder in den segnenden Kreis der Familie führen wird, der wird Zijon bauen. Nicht nur als Verpflichtung durch die Gesetze der Gemeinden, als innerstes Gesetz wird jeder Jude es selbstverständlich wissen müssen, daß der Familie verantwortet ist alles, was mutterlos und vaterlos des Segens der Familie ohne ihn entbehren würde. Es erheben die Ökonomen ihre Augenbrauen und sehen mich an: „Wir haben* doch gemeint, daß die Waisen zu erziehen die beste Art und die sparsamste ist, wenn in diese Fürsorge und Liebe. der verhaltene Geschlechtstrieb veralteter Mädchen abgeleitet wird. Und woher sollen die Familien die Mittel nehmen,, daß alle Waisenkinder in Familien untergebracht werden?" Auch der Versuchspädagoge verzieht unwillig sein Gesicht, aber er wagt es doch nicht auszusprechen, daß er sich auf diese Verlassenen als auf seine Beute stürzen und an ihnen die Herrlichkeit seiner pädagogischen Lehren erproben wollte. Die Ärmsten der Armen wollen sie beide ausnützen, die Ökonomen zur Stillung der unzufriedenen Mädchen, die Versuchspädagogen für ihre erzieherischen Kostproben. Zijon wird aber keine Waisenhäuser und keine Findelhäuser dulden. Dem Ökonomen sei dies gesagt: Was die Aufbringung der Mittel zur Er* Ziehung der Waisen anlangt, vergesse er nicht, daß die Familie in Zijon einen weiteren Kreis bezeichnet, in den niemand enger eingebunden sein soll> als die eigenen und aufgenommenen Kinder. Wirtschaftlich wird es auch Sache der Gemeinde und, der Freunde in gesetzgebundener Form sein, für die Erhaltung