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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 4 · p. 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 4
Article
Von unserem täglichen Leben
Date
1919-01-01
Page
185 (sequence 5)
Language
German
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Von unserem täglichen Leben ziehen pflegt? Und warum haben so viele andre, die Mittel genug besaßen, um ihre Wohnung genau so heimisch zu machen, wie sie es in Europa getan hatten, sich drüben nur die notwendigsten Gegenstände angeschafft — und auch diese nur von geringem Wert und in zufälliger Auswahl? Wer es wagt, seine ganze Existenz, sein Denken und Fühlen aus Europas Boden auszugraben und in Palästinas Erde zu verpflanzen — sollte der es nicht auch wagen, dem neuen Lande seine Habe anzuvertrauen oder sich im neuen Lande mit einer Habe zu. umgeben, die ihn um einiges mehr an den einmal gewählten Ort fesselt? Diese häßlichen, unwohnlichen Stuben in den palästinensischen Kolonistenhäusern! Statt der Teppiche (die zum orientalischen Hause gehören wie die Palmen und Kakteen zur orientalischen Landschaft) der nackte Steinboden, ungeschmückte Wände, unpersönliche, nur den primitivsten Anforderungen dienende: Möbel, allzu oft gardinenlose Fenster, ein kaum bedeckter Tisch mit den Resten einer unsorglich aufgetragenen Mahlzeit, das war das Bild unsrer Heimstätten.. Zum Teil aus einer asketischen Verneinung jedes kleinen Luxus, zum Teil aber auch aus — Trägheit. Aus dem unseligen Glauben, das Glück in Palästina, bestände auch darin, daß man es sich dort „leichter macht". Als ob man es sich, wirklich leichter machte, wenn man beständig in Stuben lebt, die nichts verschönt, an die nichts einen fesselt, die nie einen festlichen Ausdruck tragen. Vielleicht erleichtert es die Arbeit, wenn man sich die Sorge um den Hausrat spart — aber erleichtert es auch das Leben? Im Pflegen der eignen Räume liegt neben der Mühe zugleich eine sich immer erneuernde Freude, an der jede» Glied der Familie, jeder Besucher teil hat. Wenn wir an unsre Kindheit zurückdenken, so bleiben unsre Erinnerungen liebevoll an einzelnen Möbelstücken, einzelnen Bildern hängen, in denen sich der ganze Geist und Geschmack unsrer Familie aussprach — und wir sollten^ nicht wünschen, daß sich in unsren neuen Heimstätten in unsrer Kinder Gemüt die Stimmung, die von diesen Möbeln, diesen Bildern ausstrahlt, einsenkt und die Erinnerung an das Elternhaus verklärt? Wohl war bisher für manchen von uns die Übersiedlung nach Palästina nur ein Versuch, dessen Ausgang ungewiß erschien, und für manchen wird sie das auch nun sein. Aber je mehr Schiffe wir in Europa zurücklassen, je mehr wir unsrer Umgebung drüben den Charakter des nur Zeitweiligen und eines Tages Aufzuhebenden geben, desto weniger wird es uns glücken, auf jener Erde Fuß zu fassen. Glauben wir doch nicht, daß wir dort die kleinen Freuden entbehren können, die wir hier als untrennbar von unsrem Wohlbehagen empfinden. Wer hier Freude an seinen wohlgestalteten Möbeln, an seinen Bildern an der Wand,, an dem sorgfältig gedeckten Tische fand, der gewähre sich diese Freude auch und erst recht in der Heimat. Unsre Mahlzeiten. Bis zu ihren Speisebedürfnissen reichte bei vielen die Primitivität und — Nachlässigkeit ihres Lebens in Palästina. Daß das Mahl in den Arbeiterkolonien unzulänglich in seinen Bestandteilen und seinen Formen, war, das war freilich oft eine Folge bitterer Not: weil es sowohl an Mitteln fehlte wie an liebevollen Händen, die willig waren, dem Körper der Schaffenden die nötige Speise zu bereiten und im Bereiten und würdigen Auftragen dieser Mahlzeiten ihre Lebensaufgabe zu sehen. Aber weshalb nährte man sich in sc« vielen Privathäusern von roh zubereiteten Speisen, zu deren Fertigstellung:

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