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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 4 · p. 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 4
Article
Zur materialen und formalen Bestimmung des Nationaljudentums
Date
1919-01-01
Page
158 (sequence 8)
Language
German
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158 Abraham Schlesinger: Kultur auch inhaltlich bestimmt und in ihrer gegebenen Inhaltsbestimmtheit wissenschaftlich erfaßbar. 3. Die jüdische Nationalität kann auf mannigfaltige Arten erlebt werden. Die fundamentale Erlebnisform bildet das instinktive jüdische Nationalgefühl; als höchste Erlebnisform erscheint die zugleich emotionale und erkennende Aneignung. 4. Das Erleben der ganzen und unteilbaren jüdischen Nationalität, d. h. der jüdische Nationalismus oder das Nationaljudentum im subjektiven Sinn, muß nicht eine persönliche positive Überzeugung einschließen von der Wahrheitsgeltung aller Einzelstücke der historischen jüdischen Kultur; wohl aber mindestens die gefühlsbetonte Anerkennung als nationalen Erbeigentums auch solchen Traditionsbestandteilen gegenüber, an deren Wahrheitsgeltung der Erlebende nicht zu glauben vermag. Überblickt man zum Schlüsse die Theorien Dubnows und Achad Haams, so läßt sich, ohne Berücksichtigung der hier gleichgültigen Frage, ob sie selbst in sämtlichen Einzelpunkten miteinander übereinkommen, die gemeinsame Lehre von der materialen Bestimmtheit des Nationaljudentums etwa auf folgende Thesen bringen. 1. Die jüdische Gemeinschaft ist als Nation letztlich konstituiert durch mannigfache bestimmte Faktoren, die der ganzen weiteren Entwicklung unaufhebbar zugrunde liegend organisch sich mitentwickelnde, in der jüdischen Gesamtkultur aktualisierende feste Dispositionen und in ihr sich manifestierende Traditionen begründen. 2. Die jüdische Nationalität zeigt notwendig eine durch ihre historischen Konstituenten bedingte besondere unteilbar einheitliche Bestimmtheit des ganzen Seins. Mit anderen Worten: Die Judenheit bildet eine, nicht in Form und Inhalt oder sonstwie auflösbare, geschichtlich allseits bestimmte Kollektivindividualität. 3. Der jüdische Nationalismus besteht im Erleben der jüdischen (Total-) Nationalität. Jedoch braucht er nicht notwendig ein persönliches Glaubensbekenntnis zu den gedanklichen Inhalten der jüdischen Kultur einzuschließen. An und für sich enthält er nur eine rein emotionale oder zugleich intellektuelle Anerkennung der geschichtlich gegebenen jüdischen (Total-)Nationalität eben als der ererbten Eigennationalität. II. Die materiale Bestimmung der Nationalität überhaupt und des Nationaljudentums im besonderen wird, zumeist mit starker Leidenschaftlichkeit, von Schriftstellern bekämpft, nach welchen der Begriff der Nationalität bzw. des Nationaljudentums sich lediglich aus formalen Merkmalen konstituiert. Die Hauptvertreter dieser Auffassung sind wohl Berdyczewski und S. Hurwitz unter den Älteren, Klatzkin, Brenner und dessen palästinensischer Kreis unter den Jüngeren*). *) Vgl. zu Berdyczewski, der übrigens vielleicht nur teilweise hierher gehört: H. Bergmann, „Die Welt", 1914, S.6ygü.9 wiederabgedruckt in „Jawne und Jerusalem", Berlin 1919» S.34ff., und die dort genannten hebräischen Schriften Berdyczewskis; femer Achad Haam, APD, II, S. 7fr., 15fr., 66ff.; zu Hurwitz: dessen Aufsätze im „Heathid", Bd. III und IV; zu Klatzkin: „Der Jude", Jahrg. I (1916/17), S. 534fr. bzw. „Probleme des modernen Judentums" Berlin 1918, „Haschiloach", Bd. XXVII (1912), S.289,;,Haogen", I (1917), S.57ff.; zu Brenner und seinem Kreis: Achad Haam, APD, IV, S. I24ff., „Haschiloach", Bd. XXIV (1911), S.88ff. Zur ganzen Richtung vgl. noch Abräham Schwadron, „Der Jude", Jahrg. I (1916/17), S. 400ff.

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