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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 137

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und der polnische Aufstand 1863
Date
1919-01-01
Page
137 (sequence 6)
Language
German
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Die Juden und der polnische Aufstand 1863 137 bei welchem Anlaß das Spottgelächter von neuem begann. Der Jude sagte seinen Widduj, angesichts der lachenden Aufständischen, ja, es ging schrecklich langsam, inquisitorisch-tyrannisch zu, denn erst nach geraumer Zeit, als der Jude keine Kraft mehr besaß zum Weinen, wurde ihm das Seil abgenommen"*). Zu dieser Verspottung gesellte sich allerorts Raub und Mord. Kein Wunder also, daß in vielen Gegenden die Volksmassen den Aufständischen, die so ihr Hab und Gut vernichtet hatten, nicht geneigt waren. Jedoch gab es unter ihnen viele, die diese Gehässigkeiten als vorübergehende betrachteten und mit der Revolutionsbewegung sympathisierten. In der Intelligenz war der Polonisierungsprozeß durchwegs zum Siege gelangt und viele jüngere Elemente weilten auf dem Kampfplatz. Wie groß die numerische Beteiligung der Juden an den Kämpfen war, ist aus Mangel an Materialen schwer festzustellen. Mit der Gewinnung von jüdischen Freiwilligen beschäftigten sich insbesondere die Juden Großstern, Halpern, Hoffenblum, Isidor Karlsbad, Kornity, Lewinsohn, Spißmann und Jakob Witkowski, die in der polnischen Kriegsschule zu Genua (dann in Cuneo) eine militärische Ausbildung erhalten hatten. Nach den vorliegenden Materialien haben sich 69 Juden aktiv an den Kämpfen beteiligt, 32 von ihnen sind in verschiedenen Schlachten gefallen**), die meisten von ihnen dienten in den Abteilungen des Frankowski***), des Generals Hauke-Bossakf), der Langiewicz, Lelewel, Jezioranski, Chmielinski, Mierostawski, Padlewski, Wysocki und Czachowski. Einige von den Freiwilligen brachten es zu selbständigen Kommandostellen und zeichneten sich durch ihre Tüchtigkeit aus. Die Nationalregierung sah mit Unzufriedenheit die schwache Beteiligung der Juden am Kampfe, sie glaubte, daß sich viel größere Scharen jüdischer Freiwilligen melden würden. Anderseits wollte sie das gehässige Vorgehen der verschiedenen judenfeindlichen Anführer vertuschen und die Juden von ihrer „Liebe" überzeugen. Zu diesem Zweck erließ sie am 22. Juni eine in polnischer und hebräischer Sprache verfaßte Proklamationtt). Zu deren Beginn erklärt die Nationalregierung, daß sie ungeachtet des Aufrufs vom 22. Januar, der keinen Unterschied unter den polnischen Einwohnern kenne, mit dieser Proklamation sich besonders an die Juden wende, um ihre Liebe zu ihnen zu bezeigen. Leider sei die Nationalregierung noch nicht imstande, ihre Versprechungen, den Juden eine faktische Gleichberechtigung zu erteilen, realisieren zu können, „weil unser gemeinsamer Feind bis nun noch immer Herr eines großen Teils des Landes ist und der Verwirklichung der Prinzipien der Nationalregierung Hindernisse in den Weg legt". Ja, er setze sogar alles daran, den Haß zwischen den Kindern eines Vaterlandes zu schüren, um die Despotie zu stärken. Die Juden sollten in der ihnen von den Polen angebotenen Freundschaft und Brüderlichkeit auch weiterhin beharren. Polen sei von je das Land gewesen, welches seine Tore nie vor den überall verfolgten Juden schloß. Ganz anders aber Rußland. Es habe immer die Grenzen gegen die Juden gesperrt, denn wo in ihm Juden wohnten, seien es einst ge- *) J. Kotik, 1. c. S. 326. **) Die Namen der jüdischen Freiwilligen samt kurzen biographischen Daten hat Dr. B. Merwin nach Z. Kolumna: Pamiatka dla rodzin polskich (wiadomosci oofiarach r. 1863) und mündlichen Mitteilungen in seiner Broschüre: Zydzi w powstaniu 1863, Lemberg 1911 und 1913 S. 25—45 veröffentlicht. ***) Dzieje 1863 r., Bd. I, S. 204. Philippson, Neuere Geschichte der Juden Bd. III hält Frankowski für einen Juden, was aber unrichtig ist. f) Ihm zur Seite stand der Jude Daniel TrenkieJ. ff) Das Original in Grabiec 1863, S. 395 abphotographiert.

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