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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina
Date
1919-01-01
Page
131 (sequence 13)
Language
German
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Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina 13* Schon heute ist das, was sich an Kastengliederung in Palästina in Analogie zu anderen Gemeinschaften entwickelt hat, die gewaltigste Gefährdung der Zukunft. Wenn sich ein Bangen in den Stolz auf unsere Siedlung in Palästina mischt, dann ertönt leise oder laut das Wort „Arbeiterfrage", Dasy ist die ganze Frage der Zukunft. Mit Recht ist vor kurzem auf einer zionistischen Tagung auf das Schicksal der Deutschen in Böhmen hingewiesen worden, die trotz ungeheurer Kulturarbeit Schritt für Schritt an Boden verlieren, weil nicht sie, sondern die Tschechen zuerst die Bodenbebauer, dann die Handwerker, Dienstmädchen und Fabrikarbeiter waren. Unsere Herrlichkeit wird von kurzer Dauer und von geringer Bedeutung sein, wenn die Arbeiten Palästina nicht jüdisch sein wird. Man glaube ja nicht, daß man durch irgendwelche Mittelchen oder auch Mittel jüdische Menschen auf die Dauer dazu bringen wird, in einer niedern Kaste zu verharren. Wer seine Hoffnung darauf setzt, daß die aus namenlosem Elend entronnenen Teile der Judenheit froh sein werden, ein gesichertes Proletarierdasein zu finden, den möge die Geschichte der letzten Jahrzehnte der Westjuden warnen. In höchstens zwei Generationen ist mit Hilfe einer UH* glaublich einseitigen Energie aus einem Volk von Krämern und Hausierern ein solches von Großkauf leuten, Fabrikanten, Doktoren und Professoren geworden. Das sind schlechte Aussichten auf einen dauernden jüdischen Arbeiterstand in Palästina, wenn wir in den alten Ordnungen verharren wollen. Denn nur ein Narr wird glauben* daß jüdische Menschen nationalen Idealen zu Liebe nicht nur dauernd eine dienende Stellung einnehmen, sondern auch ihre Kinder für eine solche erziehen werden, während andere Teile des Volkes im Namen derselben Ideale über sie herrschen. Und doch warnte ich eingangs vor bolschewistischen Richtungen. Und mir scheint, daß ich hier dem Verständigen, von der Schule ausgehend, einen anderen Weg gewiesen habe. Ich zweifle keinen Augenblick, daß die jüdische Arbeiterfrage in dem Augenblick gelöst sein wird, wo im Sinne dieser Ausfüh^ rungen ein unbeschränktes Recht auf die Pflege des Geistes durchgeführt sein wird, wo keine fest abgestuften Zeugnisse mehr die Geistespflege in den Dienst der Kastengliederung stellen und wo die höchsten Vertreter des Geistes das Recht und die Pflicht haben, die Gemeinschaft zu lenken. Denn wenn das ehrlich durchgeführt sein wird, müssen sich viele andere Dinge als selbstverständliche Folge ergeben. Wenn wir ein schon erwähntes Beispiel weiter verfolgen, dürfte es eine brauchbare Änderung sein. Wenn der Gehirnspezialist von der Gemeinschaft in die Möglichkeit versetzt wird, sich mit demjenigen zu befassen, der infolge des Zustandes seines Gehirnes ihn am meisten braucht, statt daß er seine Hauptarbeit reichen Leuten zuwenden muß, die keinen besseren Zeitvertreib wissen, als sich irgendeinen Kopfschmerz einzubilden, dann wird die Leidenschaft der jüdischen Eltern in Palästina sehr nachlassen, mit der sie sonst danach streben würden, daß die Kinder es besser haben, d.^h. daß die Kinder in eine höhere Kaste aufsteigen. Ebenso müßte natürlich der Rechtskenner zuerst demjenigen beistehen, dessen Recht in einer Angelegenheit am schwersten zu entwirren ist usw. Ich sagte schon, daß zu diesem Leben ein noch nie dagewesener Glaube gebort; der kann durch keinerlei Detailpläne ersetzt werden. Und daß hier ein Weg ist, glaube ich doch gezeigt zu haben. Einen neuen Weg müssen wir wandeln. Die Vertreter des Geistes im ersten jüdischen Reiche kämpften bis zu ihrem Ende, aber sie siegten nicht: das erste Reich ging zugrunde. Die Vertreter des Geistes im zweiten Reiche sahen sich am Ende gezwungen, ihrer Aufgabe im Volke untreu zu werden: das zweite 9*

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