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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 132

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Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina
Date
1919-01-01
Page
132 (sequence 14)
Language
German
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N. M. Gelber: Reich ging rascher zugrunde. Wenn der Geist uns nicht heute wie in den größten Heldentagen unserer Geschichte mit starker Hand und ausgestrecktem Arme aus der Knechtschaft führt, dann wird das dritte Reich überhaupt nicht anheben. Wird aber der Geist herrschen im jüdischen Volke und im jüdischen Lande, dann wird dieses Reich das Reich sein und das größte, was je jüdisch war. Prag Oskar Epstein DIE JUDEN UND DER POLNISCHE AUFSTAND 1863*) Marquis Wielopolski, der im Jahre 1862 die Zivil Verwaltung von Kongreßpolen übernommen hatte, versuchte durch entsprechende Reformen die unzufriedene Stimmung des polnischen Volkes zu unterdrücken. Er glaubte durch die Besserung der bäuerlichen Verhältnisse und die Gleichberechtigung der Juden zwei starke Elemente gefunden zu haben, die ihn in seinem Kampfe mit der „polnischen Opposition" unterstützen würden. Durch Einführung einer autonomen Verwaltung hoffte er in kurzem die Möglichkeit einer freien Entwicklung des polnischen Volkes zu schaffen. Aber ohne Wirkung blieb sein Regierungssystem, die revolutionäre Bewegung hatte schon allzu starke Wurzeln gefaßt, als daß man sie im Keime hatte ersticken können. In Warschau hatte sich eine geheime Nationalregierung organisiert, die offen die Notwendigkeit eines Aufstands betonte. Unter den Juden selbst bildete sich ein Komitee, das die revolutionäre Idee unterstützte. Jetzt hieß es ans Werk gehen. Die Nationalregierung hatte den Plan gefaßt, noch Ende November 1862 den Aufstand zu beginnen. Allein man mußte den Termin wegen ungenügender Vorbereitungen auf den Januar 1863 verschieben. Die letzte Veranlassung dazu wurde eigentlich von Wielopolski, dem größten Gegner der Revolution, gegeben. Am 16. Januar 1863 begann auf seine Veranlassung die Aushebung der polnischen Rekruten. Durch diesen Akt meinte er, den Beginn des Aufstandes zu vereiteln, da ja die Jugend, die eigentliche Hauptstütze der revolutionären Bewegung, dem Aufstand entzogen werden sollte. Wielopolski irrte sich aber; seine Rekrutenaushebung hatte nur das revolutionäre Feuer geschürt und die Nationalregierung zu einem entscheidenden Schritt gedrängt. Sie bestimmte den Ausbruch des Aufstands für die Nacht vom 22. auf den 23. Januar. In vierzehn Städten sollten die Aufständischen die russischen Militärtruppen überfallen und damit den Kampf um Polens Freiheit eröffnen. Die Rekrutenaushebung hatte auch zum großen Teil die jüdische Bevölkerung getroffen. Wielopolski merkte wohl die polenfreundliche Stimmung unter den Juden und befürchtete ihren Anschluß an den Aufstand. Aus diesem Grunde eben wollte er die gefährlichen Elemente unter ihnen entfernen und die Juden zur loyalen Haltung Rußland gegenüber zwingen. In der Tat rief auch die Aushebung jüdischer Rekruten, die zumeist schon Familienväter waren, in der Judengasse eine große Verwirrung hervor.**) Nun versuchte die geheime Nationakegierung ihrerseits die Initiative zu ergreifen, um die Juden für den bevorstehenden Kampf zu gewinnen, sollte dies aber mißlingen, dann sie wenigstens neutral zu stimmen. *) Der Aufsatz bildet einen Abschnitt einer größeren Arbeit über „Die Juden und die polnische Nationalbewegung in den Jahren 1860—1864". **) Czas vom 22. Jan. 1863, Korrespondenz aus Warschau.

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