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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina
Date
1919-01-01
Page
124 (sequence 6)
Language
German
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124 Oskar Epstein: muß diese Bedingungen respektieren, die einzig den Egoismus einschränken, der ohne diese Bedingungen schrankenlos alles niedertreten würde. So kann man das Verhältnis zwischen den Menschen als das Verhältnis des Vertrags bezeichnen, welches sogar der kühne Rousseau für das einzig Mögliche hielt. Und jeder hat die Pflicht, über die Einhaltung des Vertrags zu wachen, denn dieser Vertrag ist sein einziger Schutz in einer Welt, in der ein Mensch dem andern ein wildes Tier ist. So steigt als das Sinnbild dieser entgotteten Menschenhaufen riesengroß daß Mißtrauen empor. Wollen wir eine neue Schule, so müssen wir auch ein neues Leben wollen. Wir müssen sein, wie es unserem Wesen enspricht. Wir müssen jenes Gefühl der Tragik, das zu den Stützen unseres Lebens nicht gehört, nicht zu dessen Ausrede machen. Wir müssen unser Leben auf der Überzeugung aufbauen, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes erschaffen ist. Aug in Aug sehend, müssen wir mit unserem Nächsten darum rechten, was uns gebührt, ohne ein Polizeisystem die Bande unserer Brüderlichkeit zerreißen zu lassen. Ein lebendiges Hin- und Herfluten unserer Beziehungen muß an die Stelle des starren Vertrags treten. Und ein unbeirrbares Vertrauen muß als Sinnbild unserer gotterfüllten Welt riesengroß seine schützenden Flügel über uns ausbreiten. V. Wenn wir so die Grundlagen des Lebens umschaffen und nur dann, wird auch unsere Schule anders sein als die, welche wir um uns sehen. Inwiefern sich diese Änderung in einzelnen Zügen äußern soll, wird im folgenden zu zeigen versucht werden. Es sollen zunächst einige Grundsätze besprochen werden, welche für das gesamte Schulwesen gelten, die also schon in der Elementarschule (Volksschule) in Erscheinung treten müssen. Wir fordern die Abschaffung des Schulzwanges. Wer die vorhergehenden Abschnitte dieser Ausführungen aufmerksam durchdacht hat, wird in dieser Forderung gewiß nur die notwendige Folge unserer Auffassung von der Andersartigkeit des jüdischen Wesens erkennen. Wer glaubt, daß der Mensch im Ebenbild Gottes erschaffen, daß er von keiner Erbsünde belastet, daß die freie Entscheidung der innerste Sinn seines Lebens ist, der wird es für widersinnig halten müssen, Menschen zur Ausbildung ihres Geistes zu zwingen. Doch ist es hier am Platze, einiges über die unmittelbaren Wirkungen auf die Schule zu sagen, welche die Abschaffung des Schulzwanges mit sich bringen muß. Die wichtigste Wirkung wird die sein, daß sie die Schule immer wieder von neuem dazu zwingen wird, ihre Daseinsberechtigung auf die natürlichste Art von der Welt zu erweisen: durch ihre Wirkung. Wer einwenden wollte, das Volk wisse oft gar nicht, was ihm wirklich wohltue und was geistig wertvoll sei, der verrät dadurch nur, daß er jener unjüdischen Auffassung vom Menschentum anhänge, die wir früher mit ein paar Strichen anzudeuten suchten. Ihm wird aber auch entgegenzuhalten sein, daß geistige Werte, die dem aufnehmenden Geiste heterogen sind, diesen niemals wahrhaft fördern können. Und welches andere Mittel gibt es, den Wert der Schule zu messen als das der Wirkung auf das Volk? Die heutige europäische Schule beweist es so schlagend als nur möglich. Nichts als die noch so äußerliche Aneignung eines bestimmten Wissenstoffes und die Fähigkeit, in einer Anzahl junger Menschen ganz äußerlich Ordnung zu schaffen, entscheidet im besten Falle, wer zum Lehrer taugt und inwiefern er dazu taugt. Mehr läßt sich eben durch Prüfungen der Lehrer und durch fallweise Anwesenheit bei

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