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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina
Date
1919-01-01
Page
121 (sequence 3)
Language
German
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Die Grundlagen deir jüdischen Schule in Palästina 121 so wird er ja auch praktisch empfunden! — das Materielle nicht bagatellisieren, indem sie die unter den Nichtjuden übliche sogenannte Rechtlichkeit des Erwerbslebens beachten, müssen sie zunächst ganz auf den Geist verzichten, um ihren Kindern die Grundlagen für ein Leben im Geiste zu schaffen. (Daß aber der Geist mit wahrer Rechtlichkeit gleichbedeutend ist, soll vor allem im 5., 6. und. 7. Teile dieser Ausführungen dargelegt werden, wo andrerseits gezeigt werden soll, daß bei uns in bescheidenen Lebenslagen für den Geist kein Raum ist.) Die Armen! Nie werden sie auf diesem Wege zum Geiste zurückfinden, mag selbst all die materielle Schwierigkeit bei ihnen aus dem Wege geräumt sein. Aber wer die Geschichte der Westjuden seit der Emanzipation so betrachtet, wird in anderer Weise als bei den Ostjuden, aber ebenso klar ermessen, welche gewaltige Sehnsucht nach einem Leben im Geiste dem Juden innewohnt. Wohl werden diese Betrachtungen über das Wesen der Ost- und Westjuden, womit selbstverständlich nicht geographische Begriffe gemeint sind, starken Widerspruch erregen. Vielleicht aber unterscheiden sie sich nur deshalb so sehr von den üblichen, weil sie jüdisches Wesen weder vom Standpunkte des Europäers noch vom Standpunkte des Europafeindes werten, sondern seiner Eigenart entsprechend. Diese Betrachtungen erfüllen uns aber außerdem nicht nur mit der Hoffnung, mit diesen Menschen das Elend unseres heutigen Lebens zu überwinden, sondern sie weisen uns selbst den Weg dazu. Die Materie die Dienerin des Geistes! Gelingt es, dieser Grundstimmung jüdischen Wesens dadurch zur Fruchtbarkeit zu verhelfen, daß wir sie ohne Bagatellisierung des materiellen Lebens und doch ohne ein Verschwimmen des Geistes ermöglichen, dann werden jüdische Menschen wie noch nie erfahren, was der unausrottbare Glaube an den Messias in den Tiefen derVolksseele in Wahrheit bedeutet. III. Es wird viel zu wenig beachtet, welche Bedeutung solche Gedanken gerade für Theodor Herzls Denken hatten. Der Traum Herzls von Zion faßt die Erfüllung der soeben erwähnten Forderungen in der Kraft glühender Sehnsucht zusammen. Die Materie Dienerin des Geistes, die Materie nicht bagatellisiert und der Geist doch kein Schwindel. Achad Haam in seiner berühmten Besprechung des Romans Altneuland hat das ganz verkannt. Daß er freilich die kritiklose Bewunderung einer neuen Jüngerschaft nicht mitmachte, die es vielfach mit dem tief verpflichtenden Prophetenwort des Meisters gar so wenig ernst nahm, müssen wir dem schärfsten jüdischen Denker unserer Tage danken. Auch darin hatte er recht, daß Herzl den inneren Zusammenhang jüdischer Form mit dem tiefsten Sinn unseres Wesens nicht kannte und wohl auch nicht ahnte. Und ein anderer Irrtum ergab sich daraus. Neben der Kraft glühender Sehnsucht spricht doch aus Herzls Träumen auch die Denkkraft des rationalistisch Erdachten. Das ist das Schicksal, welches jüdisches Eigenwesen fast immer in nichtjüdischer Unweit und unter nichtjüdischen Bedingungen erfahren hat Der Geist ist doch sehr durch Gefühlsseligkeit ersetzt, wie das bei rationalistischen Gedanken oft der Fall ist. Will man aber abschätzen, wie groß der Weg Herzls vom durchschnittlichen Westjudentum zu den Höhen unserer Sehnsucht war, braucht man nur jene schon erwähnte Kraft der glühenden Sehnsucht ins Auge zu fassen, die Herzl z. B. so grundlegend von dem beispielsweise erwähnten Werk Rathenaus unterscheidet, das in der rationalistischen Vervollkommnung der Wirtschaft mit Herzls Anschauungen so manches gemein hat. Daß ein tiefer Zusammenhang zwischen Herzls Fremdheit gegenüber jüdischer Form und den Mängeln seiner Gemeinschaftskonzeption besteht, können

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