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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Grundlagen der jüdischen Schule in Palästina
Date
1919-01-01
Page
120 (sequence 2)
Language
German
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J2Ö Oskar Epstein: zukommenden Plätze anzuweisen. Gegenüber der Vertauschung ganz Europas und Amerikas, die den Geist zum Diener der Materie macht, macht die Masse des jüdischen Volkes die Materie zur Dienerin des Geistes. Das zweckentrückte „Lernen" der Ostjuden mag dies vorderhand versinnbildlichen. Doch muß sie dafür einen hohen Preis zahlen. Um die Materie nicht mit der Unterjochung des Geistes bezahlen zu müssen, nimmt sie die Materie, wie sie am leichtesten zu haben ist, sei sie noch so schlecht und unsauber, wie sofort des nähern gezeigt werden soll. Und die Materie rächt sich am Geiste. Sie macht ihn unsauber und schwelend, statt ihn jene Flamme sein zu lassen, die hell und lichterloh brennt und nie verbrennt, als er selbst, der war, ist und sein wird. II. Wie so oft liegt auch hier in der Schwierigkeit selbst das Mittel zu ihrer Lösung beschlossen, wenn man sie nur recht betrachtet. Wenn man wissen will, inwiefern die Materie, die der Jude als Dienerin seines Geistes verwendet, schlecht und unsauber ist, betrachten wir der Einfachheit halber zunächst das materielle Leben der Ostjuden, von denen wir ja überhaupt ausgegangen sind. So bewußt wir uns sein müssen, wie vielgestaltig und verschlungen es ist, so liegt doch dem einheitlichen Eindruck des Fremden vom Leben der Ostjuden gewiß etwas Richtiges zugrunde, wenn auch noch so entstellt und verkannt. Da muß man nun feststellen, daß Offenheit und Gdradlinigkeit im Erwerbsleben den Ostjuden um ein Merkliches hinter dem Europäer zurückstehen lassen. Wozu das verdecken und bemänteln? Wo uns doch nur ein mutiges Anschauen der Wirklichkeit zum Heile gereichen kann und wir unter anderem gerade in Palästina ein böses Erwachen zu gewärtigen hätten, wenn wir statt Wirklichkeiten Träume in unsere Rechnungen einstellen. Und welche Zuversicht können wir gerade aus dieser Erkenntnis schöpfen! Die Ähnlichkeit mancher anderer Allüren zwischen dem jüdischen und nichtjüdischen Reichen darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, daß beim Juden jene absolute Wertschätzung der andern Genüsse und der andern Vornehmheit fehlt, die ihn für ein ruheloses Leben voll Sorgen und tollkühnen Wagens entschädigt. Der Jude weiß oder ahnt nur, daß seine Kinder oder Schwiegersöhne oder die Nutznießer einer Stiftung, die er hinterläßt, geistig freier leben werden als er; das ist sein Lohn. Nur Menschen, die so viel vom Materiellen zu opfern entschlossen sind, um der europäischen Knechtung des Geistes zu entgehen, können, wenn sie noch um einen Grad mehr die Kräfte anspannen, die Knechtung der Materie durch den Geist auch ohne jenes Opfer und dadurch erst vollkommen erringen. Ähnliches lernen wir auch von den Westjuden. Doch bei ihnen, die zwischen Europa und dem Judentum ewig hin- und herpendeln, ist alles unfaßbarer und unentwirrbarer. In der Betonung größerer Offenheit und Geradlinigkeit im Erwerbsleben sind sie Europäer geworden. Sie sind es auch darin geworden, daß diese Offenheit und Geradlinigkeit sich in schließlich sehr engen, -durch stilles Übereinkommen geheiligten Grenzen bewegt, deren Enge gerade durch die Kriegswirtschaft so deutlich geworden ist. Dabei darf auch nicht vergessen werden, daß dieser Grad von Offenheit und Aufrichtigkeit auf Kosten jedweden Geistes erreicht worden ist. Darin aber sind die Westjuden Juden geblieben, daß sie sich noch immer die Materie als Dienerin des Geistes denken, freilich nur mehr denken. Sie wollen alle eine Lebenslage erreichen, in der man der materiellen Notwendigkeiten des Lebens spielend Herr wird, um dann ganz dem Geiste dienen zu können. Da sie im Gegensatz zu den Ostjuden —

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