Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Sache des Landarbeiters
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 116 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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n6 Berl Katznelsohn: laut ertönen, wird die verborgensten Saiten im Herzen des Volkes anschlagen. Ungeahnte schaffende Kräfte werden uns zuströmen." (Aus unserer 4. Konferenz.) Der große Augenblick, in dem wir uns befinden, muß auch der große Augenblick des Nationalfonds sein. Groß wird der Wert der Deklarationen nur dann sein, wenn zugleich mit ihnen bei uns auch der heiße Wunsch sich erfüllen wird, daß der ganze freie Boden dem ganzen Volke für immer gehört, ohne daß jemals einer es wagen dürfte, diesen Grundsatz anzutasten. Aber damit ist es noch nicht genug. Der Nationalfonds sollte durch eine ganze Reihe von Institutionen ergänzt werden, die in derselben Richtung arbeiten. Es muß neben dem Nationalfonds ein nationaler Kredit geschaffen werden. Oft wird auch bei uns über eine Agrarbank gesprochen. Möglich, daß eine solche Einrichtung für einen mäßig verschuldeten Gartenbesitzer ausreicht Das Problem der Volksansiedlung aber kann sie nicht lösen. Die üblichen Bankoperationen taugen nicht für die Besiedlung eines neuen Landes, denn der Großbesitzer ist immer kreditfähig, auch dann, wenn seine Arbeit schädlich für Volk und Gesellschaft ist. Der Pionier dagegen ist in den ersten Jahren immer finanziell schlecht gestellt. Deshalb muß der kommende Agrarkredit den besonderen Anforderungen der Besiedlung des Nationalfondsbodens angepaßt werden. Nicht an die kapitalistischen, sondern an die Arbeitsgenossenschaften mit gegenseitiger Bürgschaft sollen die Gelder verliehen werden, und zwar zu niedrigem Zinsfuß, damit die junge Landwirtschaft es ertragen kann. Ein Gebiet muß vielleicht einer besonderen Aktiengesellschaft übergeben werden, nämlich der Häuserbau. Überall im Lande macht sich der Mangel an Gebäuden empfindlich bemerkbar, besonders in den neu angelegten Siedlungen. Sowohl in den privaten wie in den genossenschaftlichen Farmen wohnt man ungeheuer eng zusammen, was auf Geist und Körper äußerst schädlich wirkt, die sanitäre Lage verschlechtert und oft alle guten Vorsätze zunichte macht. Der Wohnungsmangel verursacht auch die erschreckenden Spekulationen und die unhygienische und unästhetische Bauart, die in unseren neuen Siedlungen üblich ist. Per Bedarf an Wohnungen wird von selbst nicht gedeckt werden, wenn nicht ein genügendes nationales Kapital darin investiert wird* Immer wird der Neubau hinter dem wachsenden Bedürfnis der Bevölkerung zurückbleiben, nur die Spekulation wird gedeihen. Allein eine große und reiche nationale Gesellschaft kann dabei helfend eingreifen. Wenn es gelingt, die großen Gelder der Ica unserem Volke zur Verfügung zu stellen, wird man vielleicht dieser Aufgabe gerecht werden können. Mit allen Mitteln muß eine großzügige Volkseinwanderung möglich gemacht werden. Man müßte beispielsweise auch die landwirtschaftliche Industrie heben, und im Zusammenhang mit ihr die Entwicklung des städtischen Landbaus. Jedenfalls muß unsere Siedlung auf agrikulturellem, technischem und wissenschaftlichem Fortschritt aufgebaut werden. Es ist darin noch so gut wie nichts getan. Immer herrschten in unseren Siedlungsformen hausbackene Begriffe und Methoden. Unsere Maßstäbe waren zu klein und knickerig. Das muß anders werden. Selbst in einem Land, dessen Boden seit Generationen gut bebaut wird und das seine Traditionen in der Arbeit hat, ist die Lage des Landarbeiters nicht gesichert genug. Jede Regierung, selbst die rückständigste kommt dem Bauer zu Hilfe, außer der Gewährung eines Staatskredits auch durch unaufhörliche wissenschaftliche Forschungen und Belehrung, durch Lieferung von Samen, Werkzeugen, medizinischer Hilfe, Versuchsstationen und landwirtschaftlicher Ausbildung. Und in unserem Land, wo alles von Anfang an gemacht werden muß,