Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Sache des Landarbeiters
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 115 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Sache des Landarbeiters innere Logik wird mit der Zeit wohl zum Ausbruch kommen und wird dem Zionismus Verständnis für die werdenden Kräfte geben, für ihre Werke und Wünsche, trotz aller Schwierigkeiten, die man uns seit jeher in den Weg gelegt hat und an denen es auch weiterhin nicht fehlen wird. Die Erkenntnis des engen Zusammenhanges zwischen dem Zionismus und der sozialen Umwälzung, dieser Gedanke klingt in unserer Gesellschaft noch fremdartig, obwohl die ganze Arbeitsbewegung im Lande der verkörperte Ausdruck dieses Zusammenhanges ist. Es handelt sich nicht um die Erlaubnis, ein guter Jude und doch zugleich Anhänger einer bestimmten sozialen Lehre zu sein, sondern um die Einheitlichkeit der sozialen zionistischen Bestrebungen, um den vollen menschlichen Inhalt bei der Verwirklichung des Zionismus. Dieser Gedanke ist nicht neu. Die tiefsten Denker der nationalen Bewegung haben sich immer mit ihm beschäftigt. Moses Hess trug in seiner Seele die Botschaft von der weltgeschichtlichen Bedeutung der Wiederaufrichtung Jerusalems. Theo*, dor Herzl, der sich nicht mit der gegenwärtig existierenden menschlichen Gemeinschaft zufrieden gab, fand auch, daß die jüdische Gemeinschaft nicht nur eine neufe, sondern auch eine bessere sein müsse. Das ist der tiefere Sinn „Altneulands'*. Und im großen historischen Augenblick bei der Gründung der nationalen Basis wacht über uns die nationale Vorsehung und schreibt mit ehernen Lettern auf ihre Tafeln die großen Worte: Erlösung des Bodens als ewiges Volkseigentum. Allein durch die Arbeitswallfahrt nach Palästina fanden die sozialen Regungen im nationalen Juden günstigen Boden für ihre Entfaltung. Dieser Jude ist sich selbst treu, lebt sein Eigenleben, leistet seine Arbeit und schafft die zukünftige Gemeinschaft, die jüdische Zukunftsgemeinschaft der Arbeit. So treffen sich in der Arbeitsbewegung Individuum und Gesellschaft, Volk und Arbeitende, Vergangenheit und Zukunft, Ideal und reales Schaffen, persönliche und soziale Aktivität Nicht Büchern und Vorurteilen entnimmt der jüdische Arbeiter dies Wort, sondern aus seinem Leben und aus seiner Arbeit erwuchs es. Noch macht der Arbeiter seine ersten Schritte, noch ist er fern von Summierungen und fertigen Plänen. Ein Geist aber belebt ihn und eine Tat: das Streben nach freier und befreiender Arbeit. Und sein Ausgangspunkt ist der Nationalfonds. Der Nationalfonds ist in den Augen des jüdischen Arbeiters nicht eine der Institutionen, sondern die Institution des jüdischen Volkes, die Offenbarung der Volksseele, das Symbol der vollen Erlösung, die geniale Schöpfung des Volkes, die berufen ist, die kommende jüdische Gesellschaft zu gestalten. Der Nationalfonds ist das Allerheiligste des Zionismus, das wir mit Liebe und Verehrung umgeben. „Bei der Schaffung des arbeitenden Jischuws müssen sowohl der Einzelne wie die Gemeinschaft beteiligt sein. Der Einzelne soll seine Persönlichkeit «einsetzen, die Gemeinschaft ihrerseits die nationale Norm, den Boden und den Agrarkredit geben. Das Volk muß den Arbeitenden den Boden geben, und zwar nicht als Geschenk und nicht käuflich, sondern leihweise in Erbpacht. Das ist die historische Aufgabe des Nationalfonds, die er noch immer nicht erfüllt hat. Eine neue Ära wird in seiner Arbeit anbrechen müssen, wenn sein Weg einmal klar vor ihm liegen wird: Keine Verschwendung von Kleinigkeiten^ keine Darlehen, kein Häuserbau, keine Wohltätigkeit und kein Vermittlertuify sondern Erlösung des Bodens und dessen Übergabe an den Arbeiter. Dann wird auch das Volk ganz anders auf die Nationalfonds-Arbeit reagieren, der Widerhall dieser neuen großen Arbeit wird in der ganzen jüdischen Welt 8*