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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Sache des Landarbeiters
Date
1919-01-01
Page
114 (sequence 6)
Language
German
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114 Berl Katznelsohn: seine Kräfte für den Bau eines nationalen Heimes verschwenden, in dem Großgrundbesitzer herrschen werden, wo unter der Flagge der „nationalen Freiheit" die wirtschaftliche Knechtungskültur der Gegenwart — die Versklavung des Menschen und die Verkümmerung des Lebens der Arbeitenden gedeihen wird? Palästina wird trotz aller Deklarationen nicht ohne Massen jüdischer Pioniere aufgebaut werden können. Sollen nun diese ins Land kommen, um ihrer Nachkommenschaft ein Sklavenhaus zu bauen? Gibt es keine Möglichkeit und keine Hoffnung, daß die Tausende und Abertausende von jungen Kräften, die in den ersten Reihen der Volksarbeit stehen werden und die die unerläßliche Vorbedingung für den Erfolg unseres Aufbaues sind, die seelischen Kräfte finden werden, die jüdische Gesellschaft gesünder, freier und produktiver zu gestalten? Unsere nationale Bewegung ist ein Produkt der Gegenwart und spiegelt alle ihre Ideale wieder. Ist nicht etwa das Ideal der Erlösung des Volkes und die Befreiung der Arbeitenden im Herzen des Pioniers zu ein und demselben Ideal geworden? Wiederum steht der Zionismus am Scheidewege, aber jetzt lautet die Frage nicht: Osten oder Westen, Politik oder Ansiedlung. Die Zukunftsfrage des Zionismus ist die, ob er in sich selber die tiefen und weiten, menschlichen und völkischen Inhalte finden wird, die in ihm von Anfang verborgen waren* ob er den Schlüssel zum Herzen des Volkes finden wird, um durch den Ausblick auf eine vollständige Erlösung, auf die Aufrichtung einer jüdisch menschlichen Freiheit seine Hingebung und seinen Mut zu entfachen, oder ob er klein und ärmlich bleiben wird, schwankend und unsicher zwischen der winkenden Zukunft und der leeren Gegenwart. Mir scheint, daß die historische Vorsehung ihre Antwort bereits gegeben hat. Die jungen aufstrebenden Pioniere geben ihr Leben hin und werden ihren Geist der Bewegung aufprägen. Das soziale Ideal, das im Herzen derjenigen lebt, denen die Verwirklichung des Zionismus Inhalt ihres persönlichen Lebens geworden ist, wird dem Zionismus seinen befreienden Charakter verleihen. Ich weiß zwar, daß wir manchen als Schwärmer erscheinen werden. Bekanntlich liegt dem amtlichen Zionismus unser Gedankengang fern. Wir hegen aber die feste Zuversicht, daß die Aufbauenden den Zionismus mit ihrem Lebensideal erfüllen werden, daß sie durch die Arbeitsarmee der Bewegung Menschen und Geist zuführen werden. Wenn die Führer der Bewegung, denen unsere Träume fern liegen, sich selbst in ihren Pflichten treu sein werden, so werden sie auf die Stimmung der lebendig wirkenden Volkskräfte achten müssen, werden auf diese Kräfte nicht verzichten können, werden nicht die Brücken zwischen der Bewegung und dem Pioniertum abbrechen wollen, und werden die unumgängliche Notwendigkeit einsehen, daß ihre Arbeit sich dem Willen und den Vorstellungen der Arbeiter anpassen muß. Im kleinen Maßstabe hat uns die Arbeit der zionistischen Organisation der letzten Jahre bereits einen Beweis dafür geliefert. Man kann doch Arthur Ruppin nicht etwa für einen sozialistischen Schwärmer halten, und doch ist es kein Zufall, daß Daganja, der erste soziale Versuch in unserem Jischuw, der Ausgangspunkt für eine friedliche Umwälzung, bei ihm tatkräftige Hilfe fand. Als ein Mann, der objektiv die verschiedenen Kräfte der Umgebung auf ihren Wert für das nationale Ziel hin prüft, konnte es ihm nicht entgehen, daß in diesem Falle die echten Schaffenskräfte am Werke sind, die sich ihre Bahn brechen, daß es Pflicht der Leitenden im Zionismus ist, nicht etwa diese Kräfte beiseite zu schieben, sie zu ignorieren, abzulehnen, zu bekämpfen, oder gar zu unterdrücken, sondern daß sie sie erkennen, sie schützen und unterstützen müssen. Diese

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