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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 112

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Sache des Landarbeiters
Date
1919-01-01
Page
112 (sequence 4)
Language
German
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112 Berl Katznelsohn: mit ihr verschmelzen, werden sie ihre Grundlagen annehmen und ausbauen, oder werden sie sich zu ihrem Herrn aufschwingen? Und je mehr sich der Horizont geweitet hat, um so größer sind auch die Gefahren geworden. Die Gefahren, die jeder Fehler, jeder Mißgriff, jedes Zurückdrängen der Kräfte in sich birgt. Und wenn einst die geringen Kräfte der Pionierarbeit genügten, um einigen Einfluß auf den Gang unseres ärmlichen Lebens auszuüben, so fragen wir uns heute, ob diese Kräfte auch stark genug sein werden, ihre Stellung gegenüber der Hochflut der verschiedenartigsten Einwanderer zu behaupten, ihre Forderungen zu verwirklichen und sich den veränderten Maßstäben anzupassen; wird ihre Stärke entsprechend wachsen? Das sind die Bedenken, die unsere Zukunftshoffnungen beschatten, und wir haben nur eine Antwort auf sie alle: Festbleiben. Die wesentlichste bestimmende Kraft in der Arbeit im Lande sind wir nun einmal, daran können wir glauben. Darum wollen wir unsere Energien der Innenarbeit zuwenden, der Aufklärung durch Wort und Tat. Jeder äußere Erfolg soll die Frucht unseres inneren Sieges auf dem Felde der Arbeit sein. Die Landwirtschaft lehrt uns das „Gesetz des Minimums". Nicht von den Stoffen, die in großer Menge im Boden vorhanden sind, hängt der Erntesegen ab, sondern die, die nur in geringer Menge da sind, geben den Ausschlag. Je mehr sich von ihnen im Boden befinden, um so mehr lassen sich die anderen Stoffe ausnützen. Und auch im öffentlichen Leben folgt alles nur einer Minderheit, der aktiven Minderheit, die die Zukunft trägt. Und solch eine Minderheit soll auch der palästinensische Arbeiter darstellen. Wir wollen gläubig darauf hinarbeiten, daß er es wird. Wenn die Zeit der Freiheit kommt, muß der Lebenswille des Arbeiters überall sich rege entfalten. Da heißt es die seelischen und geistigen Kräfte konzentrieren, die Lebenskraft stärken und vertiefen, auf daß in dieser historischen Stunde unseres Volkes die Stimme der Arbeitenden laut und vernehmlich ertönt. Die Bedeutung des Arbeiters in der Gesellschaft, seine praktische Tätigkeit, seine Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen müssen klar und scharf hervortreten, müssen dem Leben des Volkes den Weg weisen. Wir stehen an der Schwelle. Immer näher rückt die Erfüllung unseres uralten Traumes. Wie wird er sich erfüllen? * Das jüdische Volk hat vorläufig die Erlaubnis zur Rückkehr in sein Land und zur Erledigung der dort auf ihn wartenden Arbeit erhalten. Der wirkliche Wert der Erklärungen wird sich erst in ihren Folgen zeigen, nach der Rückkehr des Volkes in sein Land. Wie wird sich nun unser nationales und wirtschaftliches Leben gestalten? Diese Frage, die schon seit jeher in unserem Herzen brannte, war für die meisten noch vor kurzer Zeit nur Zukunftsmusik. Welcher Jude wird mit Prophetenversprechungen sparsam sein, auf die Mission der Auserwähltheit und auf den Gedanken der Erlösung verzichten, welcher Jude wird sich nicht freuen, daß wieder „die Lehre von Zion ausgehen wird"? Wer von uns sagte es nicht immer wieder, daß wir der Welt die Ideale des Rechtes und der Gerechtigkeit gegeben haben, daß wie eins der Völker des Balkans zu werden, für unser Volk einen historischen Bankrott bedeuten würde, daß wir nicht deshalb all die Zeiten hindurch solche Opfer gebracht haben, daß wir eben die Leuchte der Völker sein müssen? Solche Worte hatten wir allzeit in Bereitschaft Wer wußte sich ihrer nicht zu bedienen und mit ihnen alles mögliche zu beweisen? Unsere Großen Jesaja, Micha und Jeremia haben

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