Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 4 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Sache des Landarbeiters
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Sache des Landarbeiters III ganzen wirtschaftlichen Verfassung des Landes, von der Höhe der landwirtschaftlichen Produktion, deren Verbesserung noch sehr viele Kräfte erfordern wird, aber seine Stellung in der Arbeit wie in der Gesellschaft hat der Arbeiter sich zu schaffen gewußt, er ist auf keinen Fall mehr eine quantite negligeable. Die jüdische Arbeit gab derSiedelung neues Leben; ihre wirtschaftlichen, kolonisatorischen, kulturellen und politischen Schöpfungen sind: die kooperative Arbeit in ihren verschiedenen Formen, die Genossenschaften, die Siedlungen, die landwirtschaftliche Erziehung, die Frauenarbeit, die Wacht in den Kolonien, die Arbeiterpresse, die organisatorischen Institutionen in der Arbeiterschaft und schließlich die ganze von neuem Leben bewegte Gesellschaft. In all diesem liegen die Keime zu zukünftigem Leben, und die innere Energie, die sich in diesen Schöpfungen, in ihrem täglichen Wirken und ihrem ganzen Leben verkörpern, verleiht dem Arbeiter auch die äußere Macht, seinen wertvollen Einfluß im Leben des Jischuw auszuüben. Welche Bedeutung wird der Arbeiter in der Zukunft haben? Der äußere Sieg des Zionismus verbürgt auch den inneren. Der Reiche hat viele Freunde. Die Zustimmung der Mächtigen der Welt, die nahe Erfüllung hat dem Zionismus auch bei uns viele neue „Nachläufer** zugebracht und wird ihm noch weitere werben, selbst unter unseren „Großen". Es besteht gar keine Notwendigkeit und kein Grund, den Wert dieser Siege herabzusetzen. Seit jeher hofften wir ja auf solche Tage nationaler Hochflut. Aber es drängt sich uns doch die Frage auf: Was bedeuten diese Siege, wenn man sie nicht nach ihrem politischen, propagandistischen, zahlenmäßigen Wert mißt, sondern wenn man nach ihrer. inneren Bedeutung fragt? Welchen Wert haben alle diese Siege für unsere innere Arbeit? Den alten Zionismus, der von außen und innen mannigfacher Kritik und vor allem auch seitens unserer „Rebellen" ausgesetzt war, kannten wir gut. Gewiß war er sehr weit davon entfernt, das zu sein, was er eigentlich sein sollte, und wir forderten und verlangten von ihm mehr, als er zu geben imstande war. Wir taten unsere Pflicht, setzten unsere Arbeit einsam und hartnäckig*fort, hielten strenges Gericht und wußten dennoch inimer, mit wem wir es zu tun hatten. Die Physiognomie war zu ausgeprägt; die erste Generation der Arbeitenden, die Generation Lewinskis und Tschlenows, wuchs zusammen mit der Bewegung auf und verband ihr Leben mit ihr. Die Bewegung in Rußland und Deutschland hatte schon eine Jugend, der gesunde nationale Tradition, Treue und praktischer Radikalismus — in einem gewissen Sinne — zu Wesenseigenschaften geworden waren. Großes haben wir zwar nicht von dieser Jugend erwartet, aber an ihrer Treue haben wir nicht gezweifelt, ihre Schritte waren gemessen, aber sie kam vorwärts. Und aus ihrem ganzen nationalen Wollen heraus mußte sie, wenn auch langsam, zur Erkenntnis des Wertes des Arbeiters kommen, zur Erkenntnis der Notwendigkeit des harmonischen Zusammenwirkens der Kräfte und der jüdischen Arbeit, der Langsamkeit, der Entwicklung der Arbeit, deren Tempo den geringen Kräften mehr oder weniger angemessen war. So lagen die Dinge in der letzten Zeit vor dem Kriege. Aber yas bedeutet das heute für die Bewegung, für das innere Leben, für die Arbeit "n Lande? Wohin werden sich die neuen Anhänger wenden, wohin werden sie ie ^ewegung lenken wollen, werden sie aufgehen in der zionistischen Bewegung,