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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Internationalität der Juden
Date
1919-01-01
Page
99 (sequence 3)
Language
German
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Die Internationalität der Juden dieses Contagium sittlicher Einheit wiederherstellen. Es ist lächerlich auch nur zu denken, daß die Gesittung und die Arbeit der Erde vor sich gehen könnten unter Ausschaltung ganzer Völker, des russischen etwa oder des deutschen; aber es ist. wahr, daß die Solidarität der Menschen auch auf Sondergebieten wie der Wissen-* schaft, der Technik, des Verkehrs nicht mehr von den Vertretern derjenigen Körperschaften den Ausgang nehmen wird, die vor dem Kriege solche Solidarität trugen. Die Gelehrten und die Ingenieure haben mehr gehaßt und giftiger gescholten als die Soldaten nach den Kämpfen; die Geistlichkeiten der großen christlichen Kirchen haben, außer Einzelnen und Sekten, den Krieg und den Haß unmittelbar und mittelbar gestärkt; und noch ist, trotz derBsrner Konferenz, die wahre Internationalität aller arbeitenden Massen nirgendwo wiederhergestellt — überall müssen erst die Träger der Gifte des Kriegs und des Hasses ausgeschaltet und ihre Wirkungen verwunden sein. Das Judentum aber als solches, als Geist, als religiöse Gesinnung wie als nationale Aufgabe war wahrhaft neutral; es hat nirgendwo Partei ergriffen, seine Haltung konnte 'nur abgekehrt, nur erschüttert, nur trauernd' sein,^ weil das Faktum des Krieges und der so beschaffenen entgötterten Erde ihm nur die Partei des Friedens, der Verbindung, der sittlichen, auf Solidarität gegründeten Welt übrig ließ. Nun tritt es, schwach an Zahl gegenüber den Völkern der Erde, in seine neue wirkende Phase; aber diese Wirkung kann, da sie dem Geiste entspricht, welcher der Menschheit der westlichen Erdhälfte das Gesetz des sittlichen Lebens verkündet, und vorgelebt hat, tiefer sein als man heute zu hoffen wagt — dem Geiste, aus dem solche Worte kamen: „So spricht Gott der Herr, der die Himmel schaffet und ausbreitet, der die Erde machet und ihre Gewächse, der dem Volk den Odem gibt, so darauf ist, und den Geist denen, die darauf gehen. Ich, der Herr, habe dich gerufen mit Gerechtigkeit, und habe dich bei deiner Hand gefasset, und habe dich behütet, und habe dich zum Bund unter die Menschen gegeben, zum Licht der Völker; daß du sollst öffnen die Augen der Blinden, und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen, und die da sitzen in Finsternis, aus dem Kerker." Daß, wie die gebrechliche Natur des Menschen nun einmal ist, auch dies verbindende und klärende Werk dem Widerstand von Juden begegnen wird, scheint klar und kann nicht überraschen. Denn eine Art von Juden, die nur Geburt und nichts sonst mit ihrem Stamme verbindet, wird wie einst versuchen, die Aufmerksamkeit der allgemeinen Öffentlichkeit von der Tatsache abzulenken, daß über7 haupt jüdische Probleme bestehen, weil sie fürchtet, dann, bei so breiter Diskussion, auch auf sich unbehaglich empfundene Blicke zu spüren; eine zweite Art wird der Meinung sein, daß es zwischen ihr, der strengsten Hüterin traditionell-religiöser Ghettowelt und -sitte, und all den anderen Juden, keine gemeinsame Plattform gebe, weil es nur eine einzige gebe, die ihre; und eine dritte wird einwenden, daß in der allgemeinen Lösung des menschlichen Problems, des Problems, wie Menschen ohne Ungerechtigkeit auf der Erde leben sollen, auch alle jüdischen Probleme gelöst sein werden, so daß es jüdischer Sonderlösung nicht bedürfe, weil es nur „die Menschheit" gebe und Völker Vorurteile seien. Unter den deutschen Juden wissen wir viele der ersten Art und richtige Vertreter der beiden anderen; aber wir antworten ihnen hier nicht; weder aus Hochmut, noch weil wir's nicht vermöchten, sondern weil wir den Widerspruch erwarten wollen, wenn er kommen will. Wir legen ihnen nur nahe, einzusehen, daß, was sie auch selber wollen und denken, es eine Tatsache ist, daß eine große, ja die größte Zahl von Juden den Drang hat, die jüdische Besonderheit zu erhalten, und von ihr Früchte der Zukunft erhofft, r

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