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Der Jude · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
4 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Die Internationalität der Juden
Date
1919-01-01
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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9? Arnold Zweig: Heute, wo der Krieg zusammengebrochen ist, Haß, Mißtrauen und Feindschaft aber noch ungemindert die Luft der Erde unatembar machen, sollte sich diese jüdische Internationalität des Fühlens, des menschlich gebliebenen Herzens, ermannen und laut sprechen. Es sollte von einem Weltkongreß echter, jüdischer Juden, wie von den Konferenzen einander achtender Freuen oder Sozialisten, eine Versammlung von Menschen geschaffen werden, in der Vertrauen herrscht: erste Bedingung der Verständigung und der neuen Menschheit. Indem sie die Beratung rein jüdischer Probleme als Gegenstand hätte, wäre die Furcht ausgeschaltet, daß Propaganda irgendwelcher Staatsinteressen Absicht, Fälschung und Täuschung in die Beziehungen von Menschen brächte, die aus noch feindlich gesonnenen Ländern gekommen waren, um miteinander zu reden. Aber wenn dann Vertrauen herrschte, jene von innen her, aus dem sich öffnenden Innern der Seele her quellende Empfindung von dem Werte und der Würdigkeit desjenigen, zu dem man redet und den man anhört, jene im ganzen Menschen sich ausbreitende Überzeugung, daß der Anwesende und Unterredner mit seiner ganzen sittlichen Person die Wahrheit dessen verbürgt, was er sagt, daß das Mitgeteilte von der Überzeugtheit eines wahrhaftigen Menschen durchleuchtet und von innen her bezeugt wird, — wenn dann Vertrauen diese Versammlung verbände, würden diese Juden einander die wahren Gesinnungen und Ziele der Völker und Staaten offenbaren können, von denen her sie kamen und zu denen sie zurückkehren werden, um ihrerseits dann der allgemeinen Öffentlichkeit durch vertrauenswürdigen Mund mitteilen zu können, wie in Wahrheit die Gesinnung der Völker sei. Ohne daß man die unmittelbare Wirkung solcher B2richte überschätzt, darf man die Überzeugung ausdrücken, daß nur so, nur durch direktes Zeugnis, die Atmosphäre des Erdgeists entgiftet wird. Wie sich im Kriege Herde der Lüge, der Spionage und des Hasses bildeten, müssen sich Herde der Wahrheit, des Vertrauens und der gegenseitigen Aufrichtigkeit bilden, von denen das Gefühl sich wieder ausbreiten kann, daß die Erde doch immer noch, trotz allem, von Menschen bewohnt wird — von verschiedenartigen, aber doch von Menschen. Je ferner sich die Tagesordnung dieses jüdischen Weltkongresses von allen europäisch-politischen Fragen hält, je reiner sich nur jüdische Probleme und Aufgaben als sein Gegenstand erweisen, um so reiner wird sich diese Nebenwirkung, diese so eminent wichtige menschliche Wirkung einstellen können. Diese jüdischen Probleme, Probleme des jüdischen Volkstums auf der ganzen Erde, sind in Fülle da: Palästina, der Völkerbund, die Gleichberechtigung in allen Ländern und die Festsetzung der jüdischen autonomen Rechte in den Ländern der Massensiedelung geben Gebiete, zu denen das jüdische Volk selbst sprechen muß, damit sie geklärt werden können. Daß dieser Kongreß in einigen Ländern und von einigen Organisationen der Juden vorbereitet wird, ist bekannt. Rein technisch schon sind für ihn Sonderkongresse der Juden jedes einzelnen Landes nötig, und auch sie werden teils vorbereitet, teils haben sie (Amerika) schon stattgefunden. Daß sich die deutschen Juden von dieser Vorarbeit wie von der Endmission nicht zurückhalten, ist selbstverständlich; auch in Deutschland beginnt von allen jüdisch empfindenden Juden, inauguriert wie überall von den nationalen und zionistischen Juden, die Vorbereitung des gewählten jüdischen Kongresses. Es wäre nur zu hoffen, daß er schnell zusammentrete, denn je eher die Juden der Erde zeigen, daß zwischen Bewohnern Rußlands und Österreichs, des tschechischen und des deutschen Reiches, Litauens und Englands, Polens, Ungarns und Frankreichs Ehrlichkeit, Vertrauen, Glauben und Einmütigkeit möglich sind, um so eher wird sich

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